Und führe uns nicht in Versuchung
Aus: Kreuzwacht 4/11 - CPD/VCP
Aus Korn wird Sprit -
eine ökologische Alternative?
Technisch
alles ganz einfach
Korn wird geschrotet und mit Wasser zusammen gekocht. In das Gebräu kommt Hefe,
die einen Gärungsprozess auslöst und Zucker in Alkohol umwandelt. Nun wird das
Wasser verdampft und übrig bleibt Ethanol - Alkohol. Im Prinzip funktioniert das
wie beim Schnapsbrennen. Für einen Liter bis zu 99 % reines Ethanol benötigt
man 3 Kilo Getreide. Dieser (hochprozentige, nicht trinkbare) Schnaps wird dann
unter das herkömmliche - aus Erdöl hergestellte - Benzin gemischt, und fertig
ist E10, das als die „ökologische Alternative" angepriesen wird. Einmal
abgesehen von der Frage „was tut man, was tut man nicht?" angesichts Millionen
hungernder Menschen auf unserer Erde, möchte ich doch einmal nachfragen, was
diese „ökologische Alternative" für uns alle konkret bedeutet?
Der Getreidepreis steigt
Eine Tonne Weizen kostete 2010 etwa 125 Euro. Biospritverbrauch und
Spekulationen trieben die Kosten innerhalb eines Jahres auf 240 Euro pro Tonne.
Insgesamt wurden 142 Millionen Tonnen Getreide weltweit für Biosprit
verbraucht. Damit hätte man 420 Millionen Menschen ein Jahr lang ernähren können
(Greenpeace). Eine 50 Liter Tankfüllung mit E10 enthält 15 kg Getreide und
entspricht damit 18 kg Brot. „Gott sei Dank!" haben die meisten Autofahrer
Angst um ihre Motoren und verhindern damit indirekt einen weiteren Anstieg der
Kosten für Brotgetreide.
Das Brot wird teurer
Angesichts der hier geschilderten Verhältnisse, nimmt es nicht Wunder, dass der
Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerkes darauf hinweist, dass durch die
Verknappung des Brotgetreides mit einer Verteuerung der Backwaren um 3 - 5 % zu
rechnen ist.
Das Fleisch wird teurer
Den größten Posten bei der Mast macht mit 3 Kilo Getreide für ein Kilo Fleisch
das Futtergetreide aus. Von daher rechnet die Bundesvereinigung der Deutschen
Ernährungsindustrie bei allen Produkten aus Schweine- und Rindfleisch mit
Teuerungen zwischen 15 - 20 und bei Milchprodukten zwischen 10 - 15 %.
Das Bier wird teurer
Da der Bierkonsum in Deutschland stetig zurück geht, wird es der Brauindustrie
wohl schwer fallen, die in 2010 um über 50 % gestiegenen Kosten für Braumalz
weiter zu geben. Trotzdem hält der Deutsche Brauer-Bund eine Preissteigerung um
bis zu 3 % für den Liter Bier für möglich.
Geflügel und Eier werden teurer
Getreidemischungen sind das Hauptfutter für die in Käfigen / Legebatterien
gehaltenen Hühner, Enten und Gänse. Durch die Verknappung und der damit
verbundenen Verteuerung von Futtergetreide rechnet „Wiesenhof", größter
Geflügelfleischproduzent Deutschlands, mit Preissteigerungen von bis zu 15 %.
Und die Landwirtschaft?
Unsere Bauern haben es nicht leicht. Monokulturen wie Mais, Raps und
Futtergetreide usw. werden einerseits verteufelt, sind andererseits jedoch
erforderlich, damit die bäuerlichen Familienbetriebe überleben können. Ob sie
mit all den Monokulturen ihr Realeinkommen jedoch steigern können, mag dahin
gestellt bleiben. Denn, die Gewinne werden von weltweit operierenden Multis und
Monopolyspielern - deren Denken & Tun ausschließlich Geldmachen ist -
eingestrichen. Um nicht in Versuchung zu fallen,
bleibt Christen nur die Verweigerung und die Forderung an die Politiker, etwas
gegen die Sünde der Brot-zu-Sprit-Verbrennung und das Spekulantentum zu tun.
www.kreuzwacht.de – Zeitschrift der
Kreuzpfadfinder
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Frauenfußball-WM 2011
Zum Leben zu wenig
aus
CIR Anpfiff- Sportsommer 2011 - Fairp(l)ay 201
Sportmarkenfirmen
fahren exorbitante Gewinne ein - ihre Näherinnen müssen sich mit
Hungerlöhnen
begnügen
Vom 26. Juni bis zum 17. Juli 2011 wird in Deutschland
die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen ausgetragen. 16 Nationalmannschaften
treten gegeneinander an. Das sportliche Großereignis verspricht einen spannenden
Wettbewerb um Tore, Punkte und Siege. Die WM hat aber noch einen an deren
Aspekt, der allzu schnell unter den Tisch fällt: die Schattenseiten der
Sportbekleidungsindustrie.
NäherInnen in
Weltmarktfabriken, die für bekannte Sportmarken produzieren, berichten immer
wieder über extremen Druck, das überhöhte Tagessoll zu erreichen. Der karge Lohn
reicht nicht für ein Leben in Würde. Erzwungene Überstunden sind in vielen
Zulieferfabriken an der Tagesordnung. Auch das Recht auf gewerkschaftliche
Organisierung wird häufig ausgehebelt.
In Guatemala etwa
verdient eine Fabriknäherin den gesetzlichen Mindestlohn von umgerechnet 164
Euro. Dieser Lohn ist allerdings so gering, dass die Frauen sich selbst und ihre
Familie damit nicht versorgen können. Er reicht nicht einmal für die
Lebensmittel des Grundwarenkorbes. Rechnet man noch die Ausgaben für Miete,
Strom, Wasser und Bildung hinzu, so bräuchte eine Arbeiterin deutlich mehr als
das Doppelte, um die Grundbedürfnisse abdecken zu können. Berechnungen des
guatemaltekischen Staates zufolge wären für eine Familie 355 Euro zu
veranschlagen.
Frauen werden in der internationalen Bekleidungsindustrie noch immer häufig
schlechter bezahlt als Männer, selbst wenn sie die gleiche Arbeit leisten.
Generell sind Frauen in den Produktionsländern eher in prekären
Beschäftigungsverhältnissen verpflichtet. Sie arbeiten im informellen Sektor,
halten sich mit Gelegenheitsjobs und saisonaler Beschäftigung über Wasser Lange
Arbeitszeiten in Fabriken lassen keine Zeit für gewerkschaftliches Engagement,
auch nicht für die Familie. Schikanen und Diskriminierung am Arbeitsplatz
erweisen sich immer noch als wirksame Mittel, um die Arbeiterinnen
einzuschüchtern.
Ihre Rechte einzufordern, würde für die
Arbeiterinnen auf eine Entlassung hinauslaufen. Ihre Arbeit zu verlieren -
selbst wenn sie noch so miserabel bezahlt wird - kann sich aber keine Frau
leisten.
„Sie haben mir und meinen Kolleginnen gekündigt, weil wir versucht hatten, uns
gewerkschaftlich zu organisieren", beschreibt Jeaneth Pineda, Näherin aus El
Salvador, das Dilemma jener Arbeiterinnen, die für ihre Rechte
eintreten. „Wir haben fast ein Jahr dafür gebraucht, uns unseren Arbeitsplatz
zurück zu erkämpfen. In dieser Zeit wusste ich nicht, wie ich meinen Kindern zu
essen geben sollte." Jeaneth Pineda arbeitet seit vielen Jahren in einem
Zulieferbetrieb für Sportbekleidung.
Fairplay ist angesagt, nicht nur auf dem
Spielfeld! Die Herstellerinnen von Sportartikeln, die exorbitante Gewinne
einfahren, müssen den Arbeiterinnen in ihren Zulieferbetrieben endlich einen
existenzsichernden Lohn zahlen - und für würdige Arbeitsbedingungen sorgen!

Schuften für adidas und Puma: Arbeiterinnen
berichten
„Wir werden wie Tiere behandelt"
Partnerinnenorganisationen der Christlichen Initiative
Romero in El Salvador haben jüngst einen Bericht über die Arbeitsbedingungen in
einer Bekleidungsfabrik veröffentlicht, die unter anderem für Puma und
adidas/Reebok produziert. Die Ergebnisse sind skandalös.
Die 1500
ArbeiterInnen bei Ocean Sky, hauptsächlich Frauen, schuften abgesperrt in einer
Freihandelszone, die von Stacheldraht umzäunt ist und von bewaffneten Wachen
patrouilliert wird. Sie erhalten nur acht Cent Lohn für jedes
25-Dollar-Sport-Trikot, das sie nähen. Das bedeutet, dass ihr Gehalt lediglich
0,33 Prozent des Verkaufspreises beträgt. Das Monatsgehalt von 170 US-Dollar
reicht nicht aus, das Überleben der Familie zu sichern. Nach Angaben der
Regierung El Salvadors bräuchte man dafür rund 700 Dollar. Das Trinkwasser ist
mit Kolibakterien verseucht, Sicherheitskameras überwachen jede Bewegung der
Arbeiterinnen innerhalb der Fabrik. Die Temperaturen in der nicht belüfteten
Halle erreichen nachmittags bis zu 37 Grad. Gewerkschaftliche Organisierung wird
im Keim erstickt.
„Es war eine schreckliche Erfahrung, bei Ocean Sky zu
arbeiten",
berichtet eine ehemalige Arbeiterin. „Der Druck
war einfach zu hoch, und wir wurden sehr viel angeschrien. Wenn wir das
Produktionssoll nicht rechtzeitig erreichten, wurden wir wie Kinder bestraft.
Sie haben uns Zeit von der Mittagspause abgezogen. Wenn wir das Soll auch dann
nicht erreichten, mussten wir bis halb sieben weiter arbeiten, ohne dass sie uns
die Überstunden bezahlten. In der Fabrik lachten wir über den Verkaufspreis der
T-Shirts: Alleine der Preis eines einzigen T-Shirts machte für uns alle 14 Tage
Lohn aus. Auch andere Ocean-Sky-Arbeiterinnen berichten über
unwürdige Produktionsbedingungen. Bitteres Fazit einer der Näherinnen: "Wir
werden hier wie Tiere behandelt. Ich halte hier in der Fabrik nur wegen meiner
Kinder durch."
Markenfirmen
müssen sich ihrer Verantwortung stellen
Für Arbeit in Würde
Die Christliche Initiative Romero und der Katholische
Deutsche Frauenbund treten mit der Kampagne für Saubere Kleidung für eine
Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der weltweiten Bekleidungsindustrie ein.
Vier Hauptforderungen richten wir hierbei an die Sportartikelindustrie:
l Die Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Tarifverhandlungen müssen in
den Fabriken gewährleistet werden! Nur so können die
Arbeiterinnen selbst für ihre Rechte eintreten.
l Die
Markenunternehmen müssen in den Produktionsländern für sichere
Beschäftigungsverhältnisse sorgen, etwa durch stetige
Lieferbeziehungen mit den Fabriken!
l
Werksschließungen wegen Steuervorteilen und aus anderen nicht zwingend
notwendigen Gründen müssen vermieden werden!
l
Es müssen existenzsichernde Löhne gewährleistet sein!
Für Letzteres macht sich besonders die Asiatische
Grundlohnkampagne (Asia Floor Wage Campaign/ AFW) stark. Sie ermittelt nach
speziellen Wechselkursen zur Kaufkraftumrechnung der Löhne einen übertragbaren
Orientierungswert für einen existenzsichernden Lohn in den Ländern der Region.
Auf diese Weise soll Dumpinglöhnen entgegengewirkt werden. Die Kampagne für
Saubere Kleidung, aber auch Menschen- und Arbeitsrechtsorganisationen sowie
Gewerkschaften unterstützen diese Initiative.
Hier gibt es weitere Infos zum Thema:
www.saubere-kleidung.de
www.ci-romero.de
www.frauenbund.de
www.asiafloorwage.org
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Fußball-WM 2010 (Männer)
Verantwortung als Werbegag? Wenn es konkret wird, zieht Puma die Krallen ein
Quelle: CIR - Anpfiff Sportsommer 2010
Puma scheint ebenso wie
viele andere Hersteller nicht ernsthaft interessiert zu sein, nachhaltig zur
Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Nähfabriken beizutragen. Darüber
können auch Projekte der sogenannten Unternehmerischen Sozialverantwortung
(engl. Corporate Social Responsibility, CSR) nicht hinwegtäuschen. CSR-Projekte
dienen angeblich dazu, auf freiwilliger Basis soziale und Umweltbelange
in die Unternehmenstätigkeit aufzunehmen. Sie verbessern aber selten die
Einkommenssituation der Fabrikarbeiterinnen. Oftmals drängt sich der Eindruck
auf, dass die Eigenwerbung für das Unternehmen hier wichtiger ist als würdige
Lebensverhältnisse für die Näher/innen. Dies unterstreicht auch die unmotivierte
Nach-haltigkeitsberichterstattung von Puma
.
Auf
die Hungerlöhne in den Fabriken etwa, die
nicht
einmal die
elementaren Grundbedürfnisse der Arbeiterinnen befriedigen, geht der im
September 2009 veröffentlichte Puma-Nachhaltigkeitsbericht 2007/08 kaum ein. Der
Sportriese wiederholt gebetsmühlenartig, man arbeite nur mit Zulieferern
zusammen, die einen würdigen Lohn zahlen und alle staatlich vorgeschriebenen
Sozialleistungen gewährleisten. Überprüft wird von Puma im Wesentlichen aber nur
die Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns im Produktionsland. Diese Mindestlöhne
erfüllen in einigen Ländern nicht einmal die international festgelegte
Definition für Armutsgrenzen und sind damit weit entfernt von einer
Existenzsicherung für die Arbeiter/innen.
Vorschläge der internationalen Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes
Campaign/CCC), die auf eine Verbesserung der Situation der Arbeiterinnen
zielen, wurden von Puma bisher nicht umgesetzt. Der Sportartikel-Gigant glaubt
aufgrund der weltweit sinkenden Nachfrage nach Konsumgütern, „dass dies nicht
die geeignete Zeit ist, um enen Lohn zu fordern, der die Lebenshaltungskosten
deckt", wie es in einer Stellungnahme heißt.
Auch was
das Recht auf Vereinigungsfreiheit in den Fabriken angeht, gilt im Fall Puma:
Fehlanzeige. „Wir gewährleisten, dass den Arbeiterinnen das Recht auf
Organisierungsfreiheit nicht erschwert wird", lautet zwar die offizielle
Position des sportiven global players. Die Versicherung, das Unternehmen sorge
für eine entsprechende Atmosphäre, ist allerdings kaum zu kontrollieren. In
vielen Puma-Zuliefererfabriken ist gewerkschaftliche Organisierung de facto
nicht zugelassen. Immer wieder ist aus erster Hand zu hören, dass der
Arbeitnehmer/innenschaft nicht einmal der Puma-Verhaltenskodex bekannt ist.
Puma
argumentiert, Arbeiterinnen wüssten heutzutage genau, wann sie sich zusammentun
müssen — und das täten sie dann auch ohne Hilfe von außen. Der Konzern nennt als
Beispiel sogenannte wilde Streiks. Kein Wort fällt hierbei über die
existenzielle Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren. Und: Ohne Gewerkschaft gibt
es auch keinen Kündigungsschutz, was gerade wilde Streiks sehr riskant für
Arbeiterinnen und deswegen zu einer Seltenheit macht. Die Arbeiterinnen vieler
Fabriken erhalten so gut wie keinerlei Information, was Puma denn als legale
Formen der Interessensvertretung sieht und wann sie sogar auf Rückendeckung
durch das Unternehmen zählen dürften.
Ende 2006
scheiterte ein Pilotprojekt der Kampagne für Saubere Kleidung mit Puma. Dieses
hatte die Verbesserung der Fabrikkontrollen zum Ziel. Schon damals kam durch das
unerwartete finanzielle Ende des Projektes der Verdacht auf, die CSR-Politik von
Puma diene im Vorfeld der Fußball-WM 2006 lediglich Werbezwecken.
Größenunterschiede zum Vergleichen
Michael Ballack
ist nicht nur körperlich ein Großer. Der 1,89 Meter zählende Kapitän der
deutschen Nationalmannschaft gehört mit einem Monatsgehalt von 500.000 Euro
zu den Großverdienern der Balltreter-Branche. Einkünfte aus Werbeeinnahmen
sind hierbei noch nicht eingerechnet. Ball-Ass Ballack kann sich also
umgerechnet über 125.000 Euro wöchentlich freuen.
Trist sieht es
dagegen für Näher/innen in El
Salvador aus. Sie erhalten monatlich nur umgerechnet 100 Euro, in jeder
Woche also 25 Euro. Eine in der Sportbekleidungsindustrie arbeitende
salvadorianische Näherin müsste somit knapp 385 Jahre arbeiten, um das zu
verdienen, was Chef-Kicker Ballack im Monat einstreicht.
Verdienst pro Woche im Vergleich:
Näher/Näherin in El Salvador
25 €
Michael Ballack
125.000 €

Die
Forderungen der Kampagne für Saubere
Kleidung
Für saubere
Verhältnisse in der Bekleidungsindustrie
Die
Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign/CCC) ist ein
internationales Netzwerk von 300 Organisationen, die für die Verbesserung der
Arbeitsbedingungen in der weltweiten Bekleidungsindustrie eintreten. In
Deutschland gehören ihr über 20
Organisationen an.
Die
Kampagne für Saubere Kleidung informiert Verbraucherinnen, verhandelt mit
Unternehmen, unterstützt Organisationen der Arbeiter/innen und führt öffentliche
Kampagnen durch. Die an ihr beteiligten Gruppen und Organisationen wollen
gemeinsam mit kritischen Konsumentinnen Hersteller und Handel zur konkreten
Übernahme von Verantwortung bewegen und für humane Arbeitsbedingungen in den
Weltmarktfabriken sorgen. Darüber hinaus fordert die Kampagne existenzsichernde
Löhne für Arbeiter/innen in der internationalen Bekleidungsindustrie und
unterstützt die Forderungen der Asiatischen Grundlohn-Kampagne.
Die Asiatische
Grundlohn-Kampagne
(Asia Floor Wage Campaign/AFW) ist eine politische Initiative aus dem
asiatischen Raum, die darauf abzielt, das weltweite Lohndumping zu beenden Sie
fordert — ein Novum im weltweiten Kampf gegen Lohndumping — länderübergreifende
Tarifverträge in der asiatischen Region. Die Kampagne erhält neben der CCC in
Deutschland und Europa internationale Unterstützung von Menschen- und
Arbeitsrechtsorganisationen sowie Gewerkschaften.
Zwei Zitate
Betroffener
„Nach zehn bis
12 Stunden nur sitzen habe ich Schmerzen im Rücken und in der Hüfte. Nach
der Arbeit gehe ich nur noch duschen und dann direkt schlafen."
Näherin bei Puma-Zulieferer in China
„Wenn
ich meinen Gürtel nicht enger schnalle, muss ich mir Geld von Freunden
leihen. Ich habe früher dreimal am Tag gegessen, jetzt musste ich das auf
zwei Mahlzeiten kürzen."
Näherin bei Puma-Zulieferer in China

Zwei
Beispiele aus Weltmarktfabriken
Beispiel: El
Salvador
Die Weltmarktfabrik Garan de El Salvador fertigt für Puma in der freien
Produktionszone Exportsalva in San Salvador. Gezahlt wird den Näherinnen
hier der staatliche Mindestlohn von 173,70 Dollar brutto im Monat. Um
einigermaßen über die Runden zu kommen und zwei Kinder zu versorgen, braucht
man in El Salvador allein 482 Dollar, also fast das Dreifache. Der
gesetzliche Mindestlohn deckt gerade einmal die Kosten für die wichtigsten
Lebensmittel ab, um eine ausreichende Kalorienzufuhr zum Überleben zu
gewährleisten. Kleidung, Miete, Strom, Wasser, Schulbesuch und Gesundheit
bleiben auf der Strecke. Darüber hinaus gibt es keine Organisationsfreiheit
in den Fabriken. Gewerkschaftliche Organisierung wird im Keim erstickt.
Somit gibt es auch keine Möglichkeit, an Tarifverhandlungen teilzunehmen, um
für bessere Löhne zu kämpfen.
Beispiel: China
Der Zulieferer Tien Sung in China produziert hauptsächlich für adidas, aber
auch für Puma. Die Belegschaft der Fabrik umfasst 3000 Arbeiterinnen.
Frauen machen hierbei einen Großteil aus. Die Löhne entsprechen mit
umgerechnet 87 Euro brutto im Monat dem für die Provinz Guangzhou geltenden
gesetzlichen Mindestlohn — viel zu wenig, um die Grundbedürfnisse
abzudecken. Die Lohnpolitik von Tien Sung verletzt zwar die nationale
Gesetzgebung nicht. Allerdings wird die beworbene „Fair Wage Strategy", die
Strategie für faire Löhne von adidas, dabei nicht berücksichtigt. Dort
schlägt adidas nämlich einen Mechanismus vor, welcher darauf abzielt, den
Arbeiterinnen einen Grundlohn zu zahlen, der über dem lokalen Mindestlohn
liegt. Bei der Umsetzung der Strategie hapert es somit mächtig.
Die
bittere Lektion für die Arbeiterinnen: Papier ist eben geduldig.
Weitere Infos
im Netz:
.www.ci-romero.de
www.saubere-kleidung.de
Protestaktionen für faire Bedingungen zeigen Erfolg
(Mitteilung von CIR 28.6.2010)
Das beharrliche Engagement der Christlichen Initiative Romero
zeigt Erfolg: Von Jack Wolfskin, dem europäischen
Marktführer in Sachen Outdoor-Bekleidung, erreichte uns in diesen Tagen eine
erfreuliche Nachricht. Das Unternehmen wird der Fair Wear
Foundation (FWF) beitreten. Die FWF überwacht die Einhaltung von
Arbeitsrechten in der internationalen Kleidungsproduktion. Immer wieder legen
wir in Gesprächen mit Unternehmen nahe, diesen wichtigen Schritt zu tun, weil
eine Mitgliedschaft in der FWF unserer Auffassung nach momentan die beste Form
ist, sich um würdige Arbeitsbedingungen zu bemühen.
Für uns ist die Nachricht von Jack Wolfskin eine Bestätigung
unserer Arbeit. Seit vielen Jahren setzen wir uns gemeinsam mit Partnerinnen in
Mittelamerika für würdige Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie ein. Im
vergangenen Jahr haben wir erstmals die Herstellerinnen sogenannter
Outdoor-Bekleidung in den Blick genommen. Deren Wander- und Allwetterkleidung
steht für Umweltbewusstsein, Naturnähe und aufregende Erfahrungen in fernen
Ländern. Wir erstellten eine Studie zu entsprechenden Unternehmen und wiesen sie
hierbei auf ihre Verantwortung für Näherinnen und Näher in den Zulieferbetrieben
hin. Tausende von Ihnen übten mit CIR-Protestkarten Druck auf die Outdoor-Marken
aus.
Das Beispiel Jack Wolfskin zeigt: Es gibt Handlungsräume, unsere
Kleidung unter würdigen Bedingungen zu produzieren. Es gibt Hoffnung für
Millionen Menschen, die weltweit Kleidung fertigen.
Ohne Ihre große und treue Unterstützung wäre die erfolgreiche Arbeit der
Christlichen Initiative Romero nicht möglich. Ebenso wenig gute
Nachrichten wie die von Jack Wolfskins Beitritt zur FWF. Hierfür danken wir
Ihnen herzlich.
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Evang.
Gemeindeblatt 4/2006
Angriff
auf die Bauern - Angriff auf das Saatgut
Kampagne gegen „Terminator-Technologie” bei Saatgut — Sichere Ernährung
gefährdet
Umwelt- und
Entwicklungsorganisationen haben ein Verbot der so genannten
Terminator-Technologie gefordert, die Pflanzen unfruchtbar macht. Mit dem neuen
gentechnischen Verfahren wollten Saatgutkonzerne verhindern, dass Bauern einen
Teil ihrer Ernte aufbewahren und im folgenden Jahr als Saatgut verwenden,
kritisierten mehr als 30 Organisationen
in Berlin zum Start einer Unterschriftenkampagne.
Mit der
Terminator-Technologie werden Pflanzen so
verändert, dass ihre Samen nicht mehr keimen.
Dazu wird den Angaben zufolge ein „Selbstmord-Gen” erzeugt, das Gift
produziert. Das Verfahren gefährde weltweit die Ernährungssicherheit, sagte
Rudolf Buntzel vom Evangelischen Entwicklungsdienst.
1,4 Milliarden Menschen hängen nach seinen Worten in ihrem Lebensunterhalt
direkt davon ab, dass sie eigenes Saatgut gewinnen. Weltweit werde 80 Prozent
des eingesetzten Saatgutes aus der eigenen Ernte gewonnen. In Deutschland sind
es nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft 35 bis 45
Prozent.
„Bislang wird laut Buntzel die noch im Versuchsstadium befindliche
Technologie durch ein Moratorium der Konvention zum Schutz der Artenvielfalt
verhindert, die 160 Staaten unterschrieben haben. Der vorläufige
Verwendungsstopp droht nach Angaben der Organisationen aber auf der kommenden
Vertragsstaatenkonferenz im März in Brasilien zu kippen.
Buntzel forderte die Bundesregierung auf, dem Beispiel Brasiliens und Indiens zu
folgen und das Verbot der umstrittenen Technologie im Gentechnik-Gesetz zu
verankern. Nach Ansicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
dient die Terminator-Technologie entgegen der Argumentation der
Saatgut-Produzenten nicht der biologischen Sicherheit. Vielmehr könne die
genetische Eigenschaft der Samensterilität über Pollenflug auf Nachbarfelder
und Wildpflanzen übertragen werden.
Georg Janssen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft sprach von
einem „fundamentalen Angriff” auf die Bauern. Es bestehe
die Gefahr, dass künftig eine Hand voll multinationaler
Saatgut-Unternehmen bestimme, „was angebaut und gegessen wird”. epd
Beteiligen sie sich an den
Unterschriftenaktionen, u.a. im
EineWeltLaden Altbach
Weitere Informationen im Internet:
www.freie-saat.de und
www.biodiv.org
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Kinder brauchen
ein Zuhause. Keinen Knast
20.000 Kinder im Gefängnis
- "Kinder gehören in die Schule, nicht ins Gefängnis!“
Klaus J. Behrendt, Schauspieler
Die
philippinische
Kinderschutzorganisation PREDA
schätzt, dass im eigenen Land rund 20.000 Kinder inhaftiert sind. Oft ohne
Grund, ohne Urteil, ohne zu wissen, wann sie wieder freikommen.
Straßenkinder werden wegen Bagatelldelikten weggesperrt oder von der Straße
geholt, weil sie den Geschäftsleuten vor Ort nicht in deren heile Konsumwelt
passen und Kunden sich an der Realität stoßen könnten. Weil sie hungrig sind,
stehlen einige von ihnen Lebensmittel oder sie schnüffeln Klebstoff, um Hunger,
Angst und ihre Ausweglosigkeit zu betäuben. In der Haft werden sie mit
Erwachsenen zusammengesperrt. Sie werden dort von Pädophilen geschlagen und
sexuell missbraucht.
Die Philippinen haben
1990 als
eines der ersten asiatischen Länder die UN-Konvention über die Rechte des Kindes
ratifiziert. Doch zwischen der Gesetzeslage und der Wirklichkeit liegen oft
Welten:
Amnesty international schreibt: "Wir sind besorgt über eine Reihe beunruhigender
Lücken im philippinischen Recht, die Kinder in der Haft der Misshandlung oder
Folter aussetzen sowie extremen Verzögerungen und unangemessenen Strafen“.
Quelle: ai-Dokument EUR 35/007/2003

Pater Shay Cullen,
Gründer und Leiter der PREDA-Stiftung, informiert über das Ausmaß des
Problems: „Die Haftbedingungen sind unmenschlich, die Hygiene ist mangelhaft,
die Verpflegung ist dürftig. Einige Kinder wurden von Polizisten aufgegriffen,
um Eltern zur Zahlung eines Lösegelds zu zwingen. Straßenkinder, die wegen
Bagatellen weggesperrt werden, haben keine Chance, selbstständig freizukommen.
Ohne juristische Grundlage bleiben sie monate-, mitunter jahrelang inhaftiert.”
Selbst Kinder unter acht Jahren werden
wegen Bagatellen ins Gefängnis gesteckt. Sie leiden unter sexuellem und
physischem Missbrauch. Sie kennen ihre Rechte nicht, können ihre Eltern nicht
informieren, haben keinen Zugang zu Anwälten oder Sozialarbeitern.
Mitglieder des Tatort-Vereins waren bei ihrer Reise von den Haftbedingungen
schockiert. Sie erlebten, dass die Kinder mangelernährt sind, viele an
Krankheiten und Hautausschlägen leiden. Die Zellen sind so überfüllt, dass die
Kinder nicht einmal Platz zum Schlafen finden.
Die philippinischen Gefängniskinder sind traumatisiert, sie haben schlimme
Erfahrungen gemacht und können kaum begreifen, was mit ihnen geschieht.

PREDA kümmert sich um sie:
n
durch Besuche von Sozialarbeitern und Ärzten im Gefängnis
n
durch legale Befreiungsaktionen aus den Gefängnissen
n
durch ein Zuhause, in dem sie Therapie, Würde, Respekt und Bildung bekommen
n
durch politische Kinderrechts-Aktivitäten auf den Philippinen und auf
internationaler Ebene
Der Tatort-Verein leitet Ihre Spenden aus Deutschland für diese wichtigen
Aufgaben zweckgebunden und direkt an PREDA weiter.
Pater Chay Cullen mit dem befreiten 15-jährigen Peter
Holt
die Kinder aus dem Knast!
„Die Gefängniskinder brauchen ein Zuhause, jemanden, der sich um sie kümmert,
eine Zukunft."
Dietmar Bär, Schauspieler
PREDA setzt sich seit mehr als 30 Jahren auf den Philippinen und weltweit für
die Rechte von Kindern ein. Leiter und Gründer der Stiftung ist der irische
Pater Shay Cullen, Träger des Menschenrechtspreises der Stadt Weimar. Für sein
Engagement wurde er mehrfach für den Friedensnobelpreis nominiert.
In der Arbeit von PREDA spielt der Faire Handel eine zentrale Rolle. Mit
regelmäßigen, guten Einkommen für die Landbevölkerung bekämpft PREDA die
Landflucht, die ansonsten oft aus behüteten Kindern erst Straßenkinder macht.
PREDA organisiert daher z. B. philippinische Mangobauern als Produzenten für den
Fairen Handel. Über die Ravensburger Fairhandelsgenossenschaft dwp werden fair
gehandelte Mangoprodukte nach Deutschland eingeführt. Dies schafft
Zukunftsperspektiven: Kinder können die Schule besuchen und wachsen in einem
intakten Zuhause auf statt auf der Straße.
Vom Verkaufserlös der „MangoMonkey"-Fruchtgummis in den bundesweit über 800
Weltläden und anderen Verkaufsstellen erhält PREDA einen festen Spendenanteil
für die Gefängniskinderarbeit.
Gemeinsam mit PREDA und der dwp eG in Ravensburg setzt sich der gemeinnützige
Verein „Tatort – Straßen der Welt e.V.” für die Gefängniskinder auf den
Philippinen ein.
"Der Kauf von PREDAS Mangoprodukten macht Verbraucher
in Deutschland zu Unterstützern der Rechte philippinischer Kinder"
(Thomas Hoyer, Vorstand dwp eG)

Der Tatort-Verein wurde vom Team des WDR-Tatort-Krimis „Manila” gegründet. Nach
Dreharbeiten in den Slums von Manila wurden die prominenten Schauspieler Klaus
J. Behrendt und Dietmar Bär sowie weitere Mitglieder des Teams für die
Kinderrechte aktiv.
Helfen Sie den Gefängniskindern mit Ihrer Spende! Für die rasche Befreiung
aus dem Gefängnis sowie den Auf- und Ausbau von betreuten Wohn- und
Therapieprojekten.
Spendenkonto 666 666 Sparda-Bank West BLZ 370 605 90 Tatort – Straßen der
Welt e. V. c/o Colonia Media Filmproduktion Moltkestraße 131, 50674 Köln
www.tatort-verein.org
Tel.: 0221-9514040 Fax: 0221-9514044 - E-Mail:
kontakt@tatort-verein.org
Gemeinnützig laut Freistellungsbescheid Finanzamt Köln-Mitte 215/5879/0057
Weitere
ausführliche Informationen unter:
www.gefaengniskinder.de
www.preda.org
www.dwp-rv.de
dwp-Info
März 2006
Erste Erfolge für die Gefängniskinder
Das
Wichtigste vorweg: Das philippinische Parlament hat vor wenigen Wochen erstmals
ein Jugendstrafrecht verabschiedet, welches es - gemäß internationalem Recht -
verbietet, Kinder und Jugendliche bis zu 15 Jahren zusammen mit erwachsenen
Straftätern zu inhaftieren. Die Betroffenen sollen stattdessen in geeigneten
Einrichtungen untergebracht werden. Ein toller internationaler Teilerfolg
zahlreicher Lobbyaktionen - auch der gemeinsamen Kampagne von Preda, Tatort -
Straßen der Welt e.V. und dwp. Wir danken an dieser Stelle allen Weltläden und
Gruppen (Der Eine Welt e.V. Altbach
konnte aus einer Veranstaltung 172 Euro Spenden an den Tatort-Verein überweisen)
, die die Kampagne in den vergangenen Monaten unterstützt haben und uns
mit ihren Reaktionen, Aktivitäten und ihrer Spendenbereitschaft motivierten,
unser Engagement fortzusetzen.
Wir bitten dennoch um Ihre weitere Unterstützung, damit den betroffenen
Kindern tatsächlich geholfen werden kann. Denn bis das jetzt verabschiedete
Gesetz umgesetzt ist, werden nach Einschätzung von Preda noch Jahre vergehen. Es
gilt auch nicht „nur” Kinder aus dem unsäglichen Gefängnisalltag zu befreien,
sondern ihnen in neu zu errichtenden Kinder- und Jugendheimen ein neues Zuhause
zu geben. Daran werden wir mit unseren Partnern und hoffentlich auch mit Ihrer
Unterstützung weiterhin arbeiten.
Die Kampagne soll nach heutigen Planungen mindestens bis Ende 2007 fortgesetzt
werden.
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Stoppt Kinderhandel!
Quelle:
Aktionsbericht 2003 terre des hommes
»Ich bin unverkäuflich«
Kurz gesagt
Kinder, die wie eine Ware
gehandelt werden ‑ gibt es das wirklich noch, zu Beginn des 21. Jahrhunderts?
Was unvorstellbar erscheint, ist doch bittere Realität für Millionen von Mädchen
und Jungen überall auf der Welt. Ob in Afrika, Asien, Amerika oder mitten in
Europa ‑ sie sind Opfer eines ebenso skrupellosen wie gewinnträchtigen
Geschäfts, das eine internationale Nachfrage bedient.
Kinderhandel ist freie Marktwirtschaft in ihrer
brutalsten Form, ein Milliardengeschäft für die Drahtzieher im Hintergrund und
die Ausbeuter der Opfer. Angesichts der alarmierenden
Ausmaße, die der Handel mit
Kindern in den vergangenen Jahren angenommen hat, entschied sich terre des
hommes dieses Thema zu einem Schwerpunkt
seiner Arbeit zu machen. Seit Oktober 2001 kämpft das Kinderhilfswerk in
Deutschland und mehr als 30 anderen Ländern der Welt mit einer Internationalen
Kampagne gegen Kinderhandel.
In dieser Zeit ist einiges geschehen. Die
unterschiedlichen Aktivitäten, von denen diese Veröffentlichung berichtet,
zeigen, dass es möglich ist, für viele Kinder auf der Welt etwas zum Guten zu
verändern. Denn selbst wenn es wie der
Kampf zwischen David und Goliath anmutet: Die gewissenlose Ausbeutung von
Kindern kann nicht einfach tatenlos hingenommen werden. Es gibt Erfolge, die Mut
machen und die anspornen vielleicht auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser, terre
des hommes in seinem Einsatz gegen Kinderhandel zu unterstützen. Denn Kinder
sind keine Ware.
Stoppt Kinderhandel!
In
Zahlen
Nach Angaben der Internationalen
Arbeitsorganisation (ILO) werden etwa 250.000 Frauen und Mädchen in Südostasien
jährlich Opfer von Menschenhandel. Nach Schätzungen der Europäischen Union
werden jährlich zwei Millionen Frauen und Kinder allein in die Prostitution,
gehandelt davon eine halbe Million in die EU-Länder. Den Vereinten Nationen
zufolge sind in Westafrika 200.000 Jungen und Mädchen Opfer von Kinderhandel.
Das Problem
Kinderhandel ist ein
weltweites Verbrechen, das an keiner Landesgrenze Halt macht. Mädchen und Jungen
werden verkauft, um als billige Arbeitskräfte in Industrie, Landwirtschaft und
Haushalten, als Prostituierte oder als Diebe, Bettler und Drogenkuriere
eingesetzt zu werden. Babys werden außerdem für kommerzielle Adoptionen
gehandelt, Mädchen als Ehefrauen für arrangierte Hochzeiten. Häufig lassen sich
die Kinder oder ihre Eltern mit falschen Versprechungen von einer Ausbildung
oder einem guten Verdienst locken, denn in der Regel fehlen vor Ort Geld wie
Lebensperspektiven.
Internationalen Schätzungen
zufolge sind jährlich mehr als eine Million Kinder Opfer dieses skrupellosen
Geschäfts. Mit Kinderhandel lassen sich inzwischen Milliardengewinne ähnlich dem
internationalen Waffen‑ und Drogenhandel machen.
Die Kampagne
lm Oktober 2001 hat terre des
hommes eine Internationale Kampagne gegen Kinderhandel gestartet. Ihr Ziel ist
es, die wachsende Ausbeutung von Jungen und Mädchen zu stoppen. Dafür setzt sich
terre des hommes in Südostasien, Indien, Lateinamerika, im südlichen und im
westlichen Afrika sowie in Europa ein. Mit Aufklärungskampagnen, politischem
Einsatz für bessere Schutz- und Hilfsangebote sowie mit Unterstützungsprojekten
für gehandelte und gefährdete Kinder trägt terre des hommes dazu bei, dass
Kinderhandel keine Wachstumsbranche bleibt.
Die Kampagne wirkt!
Was hat
die Kampagne schon erreicht?
Es gibt
● Kampagnenaktivitäten in mehr als 30 Ländern Afrikas, Asiens, Südamerikas und
Europas
● engagierte Hilfsprojekte zum Schutz von Kindern und zur Betreuung der Opfer
Plakate,
● Broschüren, Videos, Radio- und TV‑Spots sowie Unterrichtsmaterial für fast
alle Kampagnenländer
● wirkungsvolle politische Arbeit, die in einigen Staaten bereits zu schärferen
Gesetzen gegen Kinderhandel geführt hat (z.B.. Mosambik, Bolivien)
● zahlreiche Gesetzesinitiativen und Petitionen für einen besseren Schutz von
Kindern
● erfolgreiche Kooperationen mit mehr, als 600 Organisationen zur gemeinsamen
Bekämpfung des Kinderhandels
● regelmäßige Fachkonferenzen mit prominenter Beteiligung im In‑ und Ausland
● rund 25 Recherchen zu Kinderhandel in verschiedenen Regionen der Welt
Kinderhandel verstößt gegen die
UN-Kinderrechtskonvention. Darin heißt es: Die Vertragsstaaten treffen alle
geeigneten innerstaatlichen, zweiseitigen und mehrseitigen Maßnahmen, um die
Entführung und den Verkauf von Kindern sowie den Handel mit Kinder zu
irgendeinem Zweck und in irgendeiner Form zu verhindern. (Artikel 35)
Ein Beispiel: Kinderhandel in Europa
Die Situation
Insbesondere Westeuropa ist
Ziel für Kinder aus den ost‑ und südosteuropäischen Nachbarstaaten. Aber auch au
Asien, Afrika und Lateinamerika werden Jungen und vor allem Mädchen in die
Europäische Union gehandelt. Nach Deutschland verkaufte Kinder werden zu
Diebstählen gezwungen, als Hausmädchen gehalten, als Drogenkuriere eingesetzt
oder als Prostituierte und für pornografische Filme sexuell ausgebeutet.
Auch der Adoptionskinderhandel findet seine Kunden in den EU‑Staaten. Durch den
Zerfall Jugoslawiens und die politischen Umbrüche in den ehemals
kommunistischen Ostblockländern ist es zu einem starken Anstieg von
Kinderhandel gekommen: Fehlende Perspektiven vor Ort bringen besonders
Mädchen dazu, auf die Verheißungen dubioser Vermittler hin ihr Glück im Ausland
zu suchen. Fehlende Kenntnisse über Kinderhandel bei den zuständigen Behörden
sowie eine restriktive Ausländerpolitik sorgen dafür, dass die Täter kaum zur
Rechenschaft gezogen werden.
Was tut terre des hommes – Kampagne
gegen Kinderhandel?
Die Informationslage verbessern
Um Unterstützung für seinen Einsatz gegen den weltweiten Kinderhandel zu
gewinnen, informiert terre des hommes Menschen hierzulande über die Ursachen und
Hintergründe dieses Verbrechens: In Kulturveranstaltungen, Straßenaktionen,
Vorträgen und Fachkonferenzen wird deutlich gemacht: Kinderhandel geht jeden an.
Über eine gezielte Ansprache von Politikern drängt terre des hommes auf bessere
Unterstützungsangebote für gehandelte Kinder in Deutschland und eine
uneingeschränkte Anwendung der UN‑Kinderrechtskonvention. Im Koalitionsvertrag
der Bundesregierung sowie im Nationalen Aktionsplan des Familienministeriums
gegen die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern haben Forderungen der
Kampagne »Stoppt Kinderhandel« Eingang gefunden.
Mit zahlreichen Unterschriftenaktionen in Deutschland und in der Schweiz werden
die Gesetzgeber zu einer konsequenteren Strafverfolgung aufgefordert.
Den Opfern beistehen
Seit Anfang 2000 widmet sich die Stiftung Terre des hommes Lausanne/ Schweiz im
Rahmen der gemeinsamen Internationalen Kampagne der Bekämpfung des Handels von
albanischen Kindern nach Griechenland. Diese Kinder werden dort vorwiegend zum
Betteln und zum Straßenverkauf eingesetzt, häufig erleiden sie Gewalt und
Missbrauch durch ihre Ausbeuter. Zusammen mit griechischen und albanischen
Partnern werden Opfer ausfindig gemacht und in ihre Heimat zurückgebracht.
Vorbeugungsarbeit in Schulen und gefährdeten Familien haben die Zahl der
gehandelten Kinder zurück gehen lassen.
Im Dezember 2002 hat terre des hommes für diese Arbeit den »Preis für
Menschenrechte« der französischen Republik erhalten.
Kampagne - STOPPT KINDERHANDEL!
Im Oktober 2001 hat terre des hommes eine Internationale Kampagne gegen
Kinderhandel gestartet.
Unterschriftenaktion bis Herbst 2004
Schreiben Sie
an die Bundesregierung
Jedes Jahr werden weltweit Hunderttausende Kinder wie eine Ware verkauft. Sie
werden als Arbeitssklaven eingesetzt, in Bordellen ausgebeutet oder zu
kommerziellen Adoptionen vermarktet. Auch in Deutschland. Hierzulande verhindert
die Vorbehaltserklärung der Bundesregierung gegen Artikel 22 (Schutz von
Flüchtlingskindern) der UN-Kinderrechtskonvention außerdem eine angemessene
Betreuung der Opfer und eine wirksame Verfolgung der Täter. Ausländische Jungen
und Mädchen, die zur Ausbeutung nach Deutschland gehandelt wurden, erhalten
nicht den Schutz, den sie gemäß der Kinderrechtskonvention erwarten könnten.
Trotz jahrelanger nationaler
und internationaler Kritik seitens des UN‑Ausschusses für die Rechte des Kindes,
des Bundestages und renommierter Menschenrechts-organisationen hält die
Bundesregierung noch immer an dieser Vorbehaltserklärung fest.
Ich unterstütze diese Kampagne und fordere die
Bundesregierung auf:
● den
bestehenden Vorbehalt gegen die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen
zurückzunehmen. Die Konvention muss ohne Einschränkungen, gegenüber den
Opfern des Kinderhandels angewendet werden.
● das Asyl‑ und Ausländerrecht den Vorgaben der Kinderrechtskonvention
anzupassen. Das Wohl des Kindes muss grundsätzlich im Mittelpunkt aller
Maßnahmen stehen. ● den Opfern von Kinderhandel eine Perspektive in Deutschland
zu gewähren, sollte ihre Sicherheit im Herkunftsland nicht garantiert
sein.
● Zeugenschutzprogramme so zu gestalten, dass sie den minderjährigen Opfern von
Kinderhandel gerecht werden und es ermöglichen, die Täter zur Rechenschaft zu
ziehen.
Außerdem fordert die Kampagne auf internationaler Ebene:
●
weitere zentrale
internationale Abkommen gegen Kinder bzw. Menschenhandel (lL0Konvention 182,
„Palermo‑Protokoll`) zu ratifizieren bzw. konsequent umzusetzen.
● zwischenstaatliche Abkommen zu schließen, um eine grenzübergreifende
Bekämpfung des Kinderhandels zu ermöglichen.
● die Ursachen von Kinderhandel zu bekämpfen. In den Herkunftsländern der Opfer
müssen existenzsichernde Maßnahmen und Aufklärungskampagnen durchgeführt
werden.
Name Adresse
Unterschrift
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___________________
Ich
möchte über die Erfolge informiert werden.
Bitte
senden Sie diese Liste zurück an:
terre des hommes Deutschland, Ruppenkampstraße 11a, 49084 Osnabrück.
Weitere Infos unter
www.tdh.de oder
www.stopchildtraffiking.org
Sie können die terre
des hommes‑Kampagne gegen Kinderhandel unterstützen: Konto 700 800 700,
Volksbank Osnabrück, BLZ:265 900 25.
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Kampagne
gegen Biopiraterie
Was ist Cupuaçu?
Cupuaçu (botanisch: Theobroma Grandiflorum) ist dem Kakaobaum (Theobroma
cacao L.) sehr nahe verwandt.
Seit langem
nutzen Menschen der Amazonasregion seine Früchte als Nahrung. Heutzutage wird in
Brasilien und Peru das Fruchtfleisch für die Herstellung von Eis, Fruchtsaft,
Pralinen, Cremes, Gelees und Torten benutzt.
Aus den nussähnlichen Samen wird in Brasilien die schokoladenartige Cupulate
hergestellt. Cupulate wird seit langem von der amazonischen Bevölkerung
hausgemacht. Ein industrielles Verfahren für dessen Herstellung wurde 1985 vom
öffentlichen Forschungsinstitut „Embrapa Amazonia Oriental" in Belem (Amazonien)
entwickelt, veröffentlicht wurde die Beschreibung 1990.
Im Bundesstaat Rondonia gibt das Projekt „Reca" ein gesundes Cupulategetränk
kostenlos an Schülerinnen aus. 364 Familien sind als Kleinproduzenten
zusammengeschlossen und kooperieren mit Embrapa zum Wohle der Kinder und für
ihre eigene Existenzgrundlage mit regionalen Produkten wie Cupuaçu. Das Projekt
soll ausgebaut werden ‑wenn nicht die Biopiraten einen Strich durch die Rechnung
machen.
Die BUKO‑Kampagne gegen Biopiraterie greift konkrete Biopirateriefälle auf und
informiert die Öffentlichkeit. Mit Aktionen, Protest und juristischen Mitteln
versucht die Kampagne, Patente zu kippen und an den Abkommen zu rütteln, die
Biopiraterie begünstigen.
Schock für Cupuaçu‑Verarbeiter
traditionelle Frucht patentiert, ihr Name privatisiert
Cupuaçu‑Gelee wollten einige amazonische Kleinproduzenten vor drei Jahren nach
Deutschland exportieren. Diese Idee alternativen Handels endete mit einer bösen
Überraschung: Der Name Cupuaçu ‑ seit Hunderten von Jahren in Brasilien geläufig
‑ ist seit 1999 als Markenzeichen geschützt, und zwar von einer japanischen
Firma namens Asahi Co.
Asahi Co. zeigte sich sehr streitbar: Allein weil auf Geleegläsern der Name
Cupuaçu erschien, wurde mit einem Bußgeld in Höhe von US$ 10.000 gedroht.
Darüber hinaus hat diese Firma ein Patent auf die Herstellung und Verwendung von
Fetten und Ölen aus Cupuaçu beantragt. Das Unternehmen will sich vor allem das
alleinige Recht auf die Produktion einer Art von Schokolade aus Cupuaçu sichern:
„Cupulate".
Die Erteilung dieses Patentes würde ihr das Monopol nicht nur darauf, sondern
auf jegliche Anwendung dieser Rohmaterialien sichern, sei es für Kosmetik,
Medizin oder Nahrungsmittel. Gelten soll es unter anderem in Europa, in Japan,
in den USA und selbst in den Ursprungsländern der Frucht wie Brasilien.
Der angebliche Erfinder der Cupuaçuöl‑Nutzung, Nagasawa Makoto, ist zugleich
Direktor der Firma Asahi Foods und der Nutzung International Inc. In der
Begründung des Patentantrages behauptet Asahi, kein Mensch würde die Samen
nutzen und Cupulate sei von den japanischen Mitarbeitern der Asahi Co. erfunden.
Biopiraten ins Stolpern bringen!
Cupuaçu wird zum doppelten Stolperstein für die Biopiraten:
Kein Patent auf Leben!
Schon in der Antrags‑Phase bringen wir das Cupuaçupatent durch eine Einwendung
in Bedrängnis ‑ mit Ihrer und Eurer Hilfe! Hunderte von ausgefüllten
Postkarten wollen wir in einer kreativen, öffentlichen Aktion dem Europäischen
Patentamt (EPA) in München übergeben. Dabei werden wir auch die bevorstehende
Umsetzung der sog. EU‑Biopatentrichtlinie in Deutschland thematisieren, die
eine massive Zunahme solcher Patente auf Leben zur Folge haben wird. Wird das Cupuaçu‑Patent schließlich doch erteilt, ist ein Einspruch möglich, der
zu einem öffentlichen Verfahren führt.
► Unterschreiben! Losschicken! „Nein" sagen!
„Erdbeeren®"? ‑ Pflanzennamen sind keine Marke!
Der Skandal um Cupuaçu® lässt schlimme Befürchtungen aufkeimen: Ist es
vielleicht ab morgen verboten oder mit hohen Lizenzgebühren belegt, Erdbeeren
als „Erdbeeren" zu bezeichnen oder zu verkaufen, weil ein Unternehmen daraus
eine eingetragene Marke gemacht hat?
Die Markenrechte von Asahi Co. an dem Namen Cupuaçu müssen für nichtig erklärt
werden ‑ oder Asahi soll auf diese Rechte verzichten! Öffentlicher Druck ist
wichtig!
Jeder Kauf einer Cupuaçu‑Praline von ihren ursprünglichen Herstellerinnen ist
ein Einspruch gegen diese skandalösen Markenrechte. Jede Diskussion unter
Naschkatzen macht den Fall bekannter. „Naschen gegen Biopiraterie" wird ein
Motto, das nicht nur schmeckt, sondern wirklich etwas bewegen kann. Die Kampagne
hält die Leckerei bereit, eine jede ausgestattet mit Hintergrundinformationen.
► Ausprobieren! Weitersagen! Weitergeben!
Mitmachen – vieles ist möglich
O Bitte schickt mir weitere Infos über den Widerstand gegen die Cupuaçu‑Patente
!
O Ich möchte Einwendungspostkarten und noch mehr von diesen Infoflyern
haben!
O Ich möchte Produkte mit Cupuaçu hier in ___________verkaufen/an den
Weltladen herantragen. Bitte nehmt Kontakt mit mir auf.
O Ich möchte in meiner Stadt eine Veranstaltung zu Biopiraterie organisieren und
bitte um Referentinnen‑Vorschläge.
informiert sein
O Schickt mir den „Kaperbrief", die Zeitung der Kampagne gegen
Biopiraterie! (kostenfrei, Spenden erwünscht)
O Ich möchte mehr wissen. Bitte schickt mir Eure Materialliste!
O Nehmt mich auf in den Info‑E‑mail‑Verteiler der Kampagne (kostenlos, 5‑10 Mails/Mon.), meine Adresse: ................
Die Kampagne unterstützen
O Ich spende
Euch für die Weiterarbeit gegen Biopiraterie EUR auf das Konto „BUKO ‑ VzF
e.V.", Kto.‑Nr. 234 389, bei der Ev. Darlehensgen. Kiel,
BLZ 210 602 37. Stichwort „Biopiratenkampagne"
Wir freuen uns über jede Rückmeldung ‑ Absender nicht vergessen! ‑per Brief oder
Fax:
BUKO Kampagne
gegen Biopiraterie:
Nernstweg 32‑34, 22765 Hamburg - Fax: 040‑399 00 629 -
Info@biopiraterie.de
Den Stein ins Rollen bringen
die Kampagne gegen Biopiraterie unterstützen
Die Fortschritte der Biotechnologie und Erkenntnisse über die biologische
Vielfalt haben einen neuen Wettlauf der Konzerne um Gewinne eröffnet: die Jagd
nach dem grünen Gold der Gene. Wir nennen sie „Biopiraten": die, die mittels
Patenten, strengem Sortenschutz und Warenzeichen versuchen, sich einen
exklusiven Zugang zu Nutz‑ und Heilpflanzen, auch zu ihren Teilen und Genen zu
sichern ‑ und dabei die Zerstörung der biologischen Vielfalt in Kauf nehmen und
die Leistungen indigener Gemeinschaften ignorieren.
Meist geschieht Biopiraterie durch Saatgut‑ und Chemieunternehmen der
Industrieländer mit Material aus den artenreichste Ländern des Südens. Gesetze
und internationale Abkommen begünstigen allzu oft die Biopiraterie. Biopiraterie
folgt der kapitalistischen Logik, immer weitere Bereiche des Lebens in Ware zu
verwandeln, um sie verwerten zu können.
Die Kampagne lebt von der Beteiligung vieler Menschen an ihre Arbeit und ihren
Aktionen. Weitere Mitstreiterinnen sind willkommen, die Kampagne vermittelt auch
Referentinnen für Vorträg und Workshops.
Spenden und Zuschüsse ermöglichen Publikationen, Bildungsarbeit und einen immer
lauteren Protest gegen Patente auf Lebe und Biopiraterie. Wir freuen uns über
jede Spende ‑ Spendenquittungen können ausgestellt werden.
Spenden bitte mit dem Stichwort: „Biopiraterie'. auf das Konto: „BUKO‑VzF e.V".,
Kto.‑Nr. 234 389 bei der Ev. Darlehensgen. Kiel, BLZ 210 602 37.
Dieses Infoblatt wurde gefördert von misereor und dem Aktionsgruppenprogramm
Inwent. Sein Inhalt muss nicht mit der Meinung der Förderer übereinstimmen.
VJ.SA.P.: Jutta Sundermann, Nernstweg 32‑34, 22765 Hamburg
Unterstützen Sie die Aktion, schreiben Sie
Ihre Unterstützungspostkarte (Text unten) an BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie,
Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg
An das
Europäische Patentamt in München
Sehr
geehrte Damen und Herren!
Ich möchte die Einwendung gegen das Patent (EP 1219698A1) unterstützen.
Der Firma Asahi Co. darf dieses Patent nicht erteilt werden, denn ....
● die Nutzung der Öle und Fette aus Cupuaçu ist nicht neu, sondern hat eine
lange Tradition in Brasilien.
● Die Nutzung zur Schokoladenherstellung wurde mehrfach in der Fachliteratur
beschrieben, u.a. 1990 vom öffentlichen Forschungsinstitut
„Embrapa Amazộnia Oriental" in Belem (Amazonien).
● Die Erteilung dieses Patentes schränkt für die Menschen die Nutzung einer
traditionellen Pflanze ein, die sie seit Jahrhunderten kennen, verwenden und
erhalten. Ich bin gegen Patente auf Leben und gegen die
Privatisierung von Natur.
Datum, Unterschrift:
Letzte Meldung:
Cupuaçu ist eine Frucht, kein Warenzeichen. Das japanische
Patentamt (JPO) hat nach Angaben der BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie im März
2004 entschieden, das Warenzeichen "Cupuaçu" zu löschen. Cupuaçu
ist der Name einer amazonischen Frucht und wurde 1998 von der japanischen Firma
Asahi Foods in Japan als Warenzeichen eingetragen. Die JPO-Prüfer stimmten
mit der Argumentation der Kritiker überein. (SüdZeit 7/2004).
Die Einwendung gegen den
Patentantrag wurde auch dem Europäischen Patentamt in München übergeben. Dort
steht die Entscheidung noch aus. Es soll erreicht werden, dass auch das
Europäische Markenamt in Alicante
Cupuaçu aus dem Markenregister streicht.
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Menschenrecht Wasser
www.menschen-recht-wasser.de
Ohne Wasser kein Leben
Wasser ist unverzichtbar und unersetzlich
für Mensch und Natur. Wasser ist ein Lebensquell, der für jeden Menschen
zugänglich sein muss. 2003 stehen wichtige Entscheidungen über die Zukunft der
weltweiten Wasserversorgung an.
Wasser wird knapp
Jeder fünfte Mensch kann heute seinen
täglichen Wasserbedarf nicht decken. 6.000 Menschen sterben täglich an den
Folgen verunreinigten Trinkwassers. Eine bedrohliche Situation, die durch den
Klimawandel, durch Verschwendung und Verschmutzung stetig verschärft wird. Wenn
diese Entwicklung weiter voranschreitet, wird im Jahr 2025 über die Hälfte der
Menschheit keinen ausreichenden Zugang zu Trinkwasser haben.
2003 ‑ Jahr des Süßwassers
Um auf die Wasserkrise aufmerksam zu
machen, haben die Vereinten Nationen 2003 zum Internationalen Jahr des
Süßwassers erklärt. Bereits auf dem Erdgipfel 2002 in Johannesburg war der
Umgang mit Wasser ein zentrales Thema. Hier vereinbarte die Staatengemeinschaft,
bis 2015 die Anzahl der Menschen ohne Zugang zu Trinkwasser und sanitären
Einrichtungen zu halbieren. Die Wege dorthin sind strittig.
Angesichts der Schuldenlast
der Regierungen ‑ insbesondere im Süden ‑ richtet sich so manche Hoffnung auf
eine stärkere Rolle der privaten Wirtschaft.
Wasser ist keine Handelsware ...
Seit Anfang der Neunziger Jahre
privatisieren immer mehr Industrie‑ und Entwicklungsländer ihre
Wasserversorgung. Große europäische Versorgungskonzerne wie Vivendi, Suez oder
RWE wollen in erster Linie Gewinne mit dem „blauen Gold" machen. Die Proteste
nehmen zu. Vor allem die Ärmsten fürchten um den Zugang zu Wasser. Der
philippinische „Brot für die Welt"‑Partner
Freedom From Debt Coalition
fragt: „Wenn Privatisierung
höhere Preise bedeutet und dazu mehr Ineffektivität bei der öffentlichen
Versorgung, wofür ist sie dann gut?"
Doch die Öffnung des Weltmarktes für die Wasserversorgung geht weiter. Darüber
verhandelt gegenwärtig die Welthandelsorganisation (WTO) und will dies in einem
Abkommen über die Liberalisierung von Dienstleistungen (GATS) unumkehrbar
besiegeln.
... sondern ein Menschenrecht!
Das Komitee für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte der Vereinten
Nationen hat dagegen 2002 festgestellt: Jeder Mensch hat das Recht auf
ausreichendes, sauberes und erschwingliches Wasser. Die Staaten sind
verpflichtet, dieses Recht auch für künftige Generationen zu sichern. „Brot für
die Welt" setzt sich gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen im Süden dafür
ein, dass dieser Beschluss umgesetzt wird. Insbesondere für die Armen muss der
Zugang zu Wasser garantiert sein. Unterstützen Sie uns dabei und machen Sie mit
bei der Flaschenpostaktion an die Bundesregierung.
Die Lebenschancen von Mensch
und Natur hängen vom Wasser ab. Sein Schutz erfordert langfristige Maßnahmen im
ökologischen, im sozialen und im politischen Bereich. Deshalb darf seine Zukunft
nicht allein von Welthandelsinteressen abhängen.
Fordern Sie daher mit uns von der Bundesregierung,
• dass die Wasserversorgung aus den WTO‑GATS-Verhandlungen herausgenommen wird;
• das vom Erdgipfel in Johannesburg beschlossene Ziel zu verwirklichen:
Halbierung der Anzahl der Menschen ohne Wasser‑ und Abwasseranschluss bis 2015;
• auf allen Ebenen der nationalen und internationalen Politik das Menschenrecht
auf Wasser zu respektieren und zu fördern.
Unter
www.menschen-recht-wasser.de finden Sie aktuelle Informationen und
Aktionshinweise zur neuen Kampagne von Brot für die Welt. Surfen Sie auf unserer
Wasserseite!
Machen
Sie mit! Flaschenpost an die Bundesregierung
Ihre Unterschrift ‑ und ab die Post an „Brot für die Welt“
Mit Ihrer Postkarte können Sie eine Menge bewegen: Schicken Sie Ihre Karte
mit Ihrer Unterschrift an Brot für die Welt, MenschenRechtWasser, Postfach 10
11 42 , 70010 Stuttgart ‑ und wir senden eine Flaschenpost mit allen
gesammelten Karten nach Berlin. Eine Post, die nicht so einfach unter den Tisch
zu kehren ist.
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
ich bin besorgt darüber, dass die Trinkwasserversorgung weltweit liberalisiert
werden soll. Zugang zu Trinkwasser ist lebensentscheidend und kann nicht allein
Marktgesetzen überlassen bleiben. Bitte setzen Sie sich dafür ein,
• dass die Wasserversorgung aus den WTO‑GATS‑Verhandlungen herausgenommen
wird.
Vor
allem die Ärmsten in den Entwicklungsländern dürfen nicht auf der Strecke
bleiben. Deshalb erwarte ich von der Bundesregierung entschiedenes Engagement
für,
• das vom Erdgipfel in Johannesburg beschlossene Ziel: Halbierung der Anzahl
der Menschen ohne Wasser- und Abwasseranschluss bis 2015. Dabei müssen
die Ärmsten im Mittelpunkt im stehen.
Wasser ist ein Menschenrecht. Für seine Verwirklichung braucht es
verbindliche staatliche Vereinbarungen jetzt und auch in Zukunft. Bitte sorgen
Sie dafür,
• dass die Bundesregierung auf allen Ebenen der nationalen und internationalen
Politik das Menschenrecht auf Wasser respektiert und fördert.
Mit freundlichen Grüßen
Datum, Ort Unterschrift
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Quelle
Stuttgarter Zeitung Nr. 270 – 20.11.04
Noch immer lechzen
Millionen Afrikaner nach frischem Wasser
Der schwarze
Kontinent will seine Güter gerechter verteilen – die grüne Staatssekretärin
Uschi Eid schöpft Hoffnung, dass Afrika das Elend erfolgreich bekämpfen kann.
Südlich
der Sahara haben
288 Millionen Menschen keinen Zugang zu
sauberem Trinkwasser. Vielerorts ist die Kanalisation mangelhaft. Das führt zu
tödlichen Krankheiten. Die UN versuchen
nun, das Elend einzudämmen.
Von Christoph Link, Kampala
Mittagszeit im Wasserministerium von Kampala. Gerade hat der
ugandische Wasser- und Umweltminister Kandida Otafiire dem
deutschen Staatsgast erklärt, dass die „heimliche
Ministerin” ja eigentlich neben ihm sitze und seine Stellvertreterin Maria
Mutagamba sei,
da klappen seine Augenlider auch schon zu -
Nickerchen am Konferenztisch. Die Schläfrigkeit des Ministers wird von Uschi
Eid, der
Parlamentarischen Staatssekretärin im Ministerium
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Beraterin von Kofi Annan in Wasserfragen,
charmant überspielt. Nicht der müde Minister, sondern ein aufgewecktes früheres
Staatsunternehmen - die Nationale Wasser-und Abwasser-Gesellschaft (NWSC) - ist
der Anlass ihres Besuchs.
An vielen Baustellen in der ugandischen Hauptstadt sind die
in nagelneue
Blaumänner
Blaumänner
gekleideten NWSC-Handwerker beim Verlegen
von Wasserleitungen zu sehen. Die NWSC
hat in den vergangenen vier Jahren die
Versorgungsquote um 10 bis 20 Prozent erhöht:
auf 55 Prozent auf dem Lande und auf 65 bis 70 Prozent in den 19 von der NWSC
belieferten Städten Ugandas. „Der Strom wird manchmal abgeschaltet, aber die
Wasserversorgung ist top”, loben westliche Diplomaten in Kampala. Unsauberes
Trinkwasser ist einer der Hauptgründe für Krankheiten in Schwarzafrika, 288
Millionen Menschen südlich der Sahara haben keinen Zugang zu hygienisch
einwandfreiem Wasser, schätzt die Weltgesundheitsbehörde; eine Haupttodesursache
bei Kindern ist Diarrhöe.
Die NWSC ist noch ein Staatsbetrieb, aber die Einführung von
Verträgen mit 15 privaten Managern hat das Unternehmen beflügelt. „Wir haben
die Reformen in unserem eigenen Haus gezüchtet”, sagt der Geschäftsführer
William Muhairwe. Der Mitarbeiterstab wurde von 1800 auf nur noch 700
verkleinert, die Motivation durch eine Mitarbeiterzeitung und Anreize wie
Preisverleihungen oder Kredite für den Kauf eines Autos erhöht. „Früher kamen
Mitarbeiter nach 9 Uhr zum Dienst, heute hat jeder spätestens um 8.15 Uhr da zu
sein”, sagt der Vorstandsvorsitzende Samuel Okec.
Defekte Wasserzähler, mangelhafte Gebührenerhebung und ein marodes Leitungsnetz
sind ein häufiges Problem von Wasserversorgern in Afrika. Das
kenianische Kisumu
am Viktoria-See, quasi eine
Nachbarstadt von
Kampala, hat bei 400 000 Einwohnern nur eine
Wasserversorgung für 6000 Kunden, und das, obwohl die Stadt am Ufer des
zweitgrößten Süßwassersees der Welt liegt.
In Kisumus Wasserwerken ist
gerade erst mit einem privatwirtschaftlichen Management
begonnen worden, in Kampala feiert es schon Erfolge. Detektive gehen
zahlungssäumigen Wasserkunden nach. Für die hohen Investitionen in die
Wasserwerke muss immer noch die Hilfe ausländischer Geber in Anspruch genommen
werden. Vor allem Deutschland, das Uganda jährlich mit rund 15 Millionen Euro
unterstützt, investiert in das ugandische Versorgungsnetz. Zwar schreibt die
früher mit monatlich 200 000 Dollar defizitäre NWSC inzwischen schwarze Zahlen -
gerechnet
wird
mit 1,8 Millionen Euro Gewinn im Jahr -, aber für die hohen Investitionen ins
Netz reicht das nicht aus.
Mit Niederschlagsmengen von 1000 bis 2000 Millimetern im Jahr ist Uganda nicht
regenarm, aber das Wasser wurde bisher ungerecht verteilt. Aus dem Wasserhahn
der NWSC kosten 1000 Liter Trinkwasser umgerechnet 0,25 Euro, fliegende Händler
in den Slums von Kampala verlangen jedoch in Dürrezeiten für einen
20-Liter-Kanister mit Wasser schon umgerechnet 0,10 Euro - hochgerechnet auf
einen Kubikmeter sind das fünf Euro, ein Wucherpreis, unter dem die Ärmsten
leiden. Der Wassersektor sei einer der acht Bereiche, in dem die
Millenniumsziele bis 2015, welche die Halbierung der Armut vorsehen, erreicht
werden könnten, sagte Uschi Eid in Kampala. Das sei zumindest ihr „fester
Wille”. Die Politikerin ist Afrika-Beauftragte der Bundesregierung, und sie
wurde jüngst vom UN-Generalsekretär Kofi Annan in den Beratungsausschuss für
Wasserfragen ernannt. Bis 2015
wollen
die UN den Anteil jener Menschen, die ohne sauberes Wasser und Kanalisation
leben, halbieren.
Ein zweites Anliegen der UN und der EU ist die Selbstorganisation afrikanischer
Wasserkonferenzen, die sich mit der Nutzung regionaler Reservoirs wie Nil,
Limpopo oder Tschadsee befassen. Allein die EU hat für die Förderung der
Wasserversorgung in Afrika ein Budget von zweimal 250 Millionen Euro im Rahmen
der „African Water Facility” bereitgestellt. Dies sei eine gigantische Summe,
sagen Beobachter, die gar nicht so leicht auszugeben sei. Einheitliche Standards
für Statistiken oder Erfahrungsaustausch im Brunnenbau sollen auf Konferenzen
der afrikanischen Wasserminister besprochen werden, friedliche Lösungen sollen
gesucht werden. 2003 hatte zwischen Ägypten und den Quellländern Uganda,
Tansania und Äthiopien eine Art „Krieg um den Nil” gedroht.
Bei diesem Thema ist Ugandas Wasserminister Otafiire hellwach: Angesichts einer
Trockenheit und fallender Grundwasserpegel sei es populär für ostafrikanische
Parlamentarier gewesen, über das Nilwasser zu reden, sagt der frühere
Widerstandskämpfer Otafiire: Jeder wolle ein „Stück vom Kuchen”. Bisher ist es
bei Wortattacken geblieben.
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Gerechtigkeit Jetzt!
Die Welthandelskampagne
Quelle: weltläden aktuell Nr. 88 – September 2003
Ein breites Bündnis für mehr
Gerechtigkeit im Welthandel ist in Deutschland entstanden. Der
Weltladen‑Dachverband hat auf der vergangenen Verbandratssitzung beschlossen,
dieser Kampagne beizutreten, denn Welthandel ist nun mal das Thema der
Weltläden. Tobias Reichert vom Forum Umwelt und Entwicklung beschreibt die
Grundzüge der Kampagne.
Der Welthandel ist ungerecht! Für Mitarbeiter/innen von Weltläden ist dies keine
ganz neue Erkenntnis. Die Probleme der Länder des Südens gehen heute aber weit
über den Verfall der Kaffee‑ und anderer Rohstoffpreise hinaus:
• Die USA und Europa verkaufen überschüssige Lebensmittel zu künstlich
verbilligten Preisen in Entwicklungsländer.
Die Folge: Viele Kleinbauern verlieren ihre Lebensgrundlage.
•
Immer mehr Saatgut wird patentiert.
Die Folge: Bauern zahlen Lizenzgebühren an multinationale
Agrarkonzerne.
•
Viele Industrieländer schotten ihre Märkte gegenüber Produkten aus
Entwicklungsländern (z.B.: Textilien) ab.
Die Folge: Vielen Ländern entgehen Einkommenschancen.
•
Wichtige Fragen der Handelspolitik werden hinter verschlossenen Türen
entschieden.
Die Folge: Demokratische Kontrolle findet kaum statt und
Industrielobbys geben den Ton an.
• Öffentliche Dienste wie
die Wasserversorgung werden zunehmend privatisiert und dem internationalen
Wettbewerb unterworfen.
Die Folge: In vielen Ländern können sich Arme lebenswichtige
Grunddienstleistungen nicht mehr leisten.
Die Regeln für den Welthandel werden in der Welthandelsorganisation WTO
festgelegt. Im November 2001 begann eine neue Verhandlungsrunde mit dem
Anspruch, die Interessen der Entwicklungsländer in den Vordergrund zu stellen.
Im bisherigen Verlauf der Verhandlungen waren die Industrieländer aber nicht
bereit, auf Forderungen des Südens einzugehen. Stattdessen drängt gerade die
Europäische Union darauf, die Zuständigkeit der WTO auf neue Bereiche wie
Investitionsregeln auszuweiten und damit multinationale Unternehmen weiter zu
stärken. Der Entwicklungsanspruch ist bislang Rhetorik geblieben.
Mit der wachsenden Ungerechtigkeit in der Handelspolitik wollen sich immer mehr
Menschen nicht abfinden und werden aktiv. Im Juni 2002 versammelten sich vor dem
britischen Parlament in London über 12.000 Menschen, um ihren
Parlamentsabgeordneten Schlüsselforderungen zu mehr Gerechtigkeit im Welthandel
vorzutragen. Organisiert wurde diese Aktion vom "Trade Justice Movement
"(Bewegung für Gerechtigkeit im Welthandel), einem Bündnis von über 50
Entwicklungs‑ und Umweltorganisationen. Solche breiten Bündnisse für mehr
Gerechtigkeit im Welthandel entstehen auch in anderen Ländern, Z.B. in Irland,
Schweden, in der Schweiz und jetzt auch in Deutschland:
Brot für die Welt, Misereor, Germanwatch, der Evangelische Entwicklungsdienst,
WEED, FIAN, die BUNDjugend und das Forum Umwelt und Entwicklung haben die
Initiative ergriffen, eine Bewegung für mehr Gerechtigkeit im Welthandel auch in
Deutschland aufzubauen. Als erste Aktion wurden die Bundestagsabgeordneten in
einem Brief aufgefordert, sich für die Interessen der Entwicklungsländer in der
WTO einzusetzen, und es gab eine kleine Demonstration während der
Bundestagsdebatte. Das Interesse der Abgeordneten war groß, einige bezogen sich
während der Debatte sogar auf die Kampagne. Auch von engagierten Einzelpersonen
und Aktionsgruppen, gibt es zahlreiche Anfragen, sich an der Kampagne zu
beteiligen.
Nach der nächsten WTO-Konferenz im September in Cancun wird die Kampagne stärker
auf breitenwirksame Aktionen setzen. Die Weltläden und andere Akteure des Fairen
Handels sind dazu herzlich eingeladen. Eine große Konferenz von Gerechtigkeit
jetzt ist im November geplant.
Wer die Kampagne unterstützen und über die Aktivitäten auf dem laufenden bleiben
will, kann die Homepage
www.gerechtigkeit-jetzt.de besuchen, oder sich wenden an:
Gerechtigkeit jetzt ‑ Die Welthandelskampagne Am Michaelshof 8‑10 53177 Bonn
0228‑3681010 Info@gerechtigkeit‑jetzt.de
Kernforderungen der Kampagne
Mit unserer Kampagne treten wir für Gerechtigkeit im Welthandel ein. Wir
fordern Handelsregeln, die allen Menschen, insbesondere den Armen, und der
Umwelt dienen. Die bestehende Welthandelsordnung muss grundlegend umgestaltet
werden. Als Teil einer vielfältigen internationalen Bewegung laden wir alle
Menschen ein, sich mit uns für eine andere deutsche und europäische
Handelspolitik nach folgenden Grundsätzen einzusetzen:
• Welthandel geht uns alle an: Deshalb brauchen wir eine faire, transparente
und demokratisch kontrollierte Handelspolitik.
• Freihandel ist kein Wert an sich: Deshalb muss Handelspolitik
Menschenrechten, Armutsbekämpfung und Umweltschutz dienen.
• Alle Länder haben das Recht, ihre Wirtschaft selbst zu steuern: Deshalb
dürfen die politisch und wirtschaftlich Starken die ärmeren Länder nicht
länger zur
Marktöffnung drängen.
• Angemessene Ernährung, Bildung und Gesundheitsversorgung sind
Menschenrechte: Deshalb darf die staatliche Verpflichtung zur Realisierung
dieser Rechte nicht
durch die Welthandelspolitik ausgehöhlt werden.
• Menschen und Umwelt müssen Vorrang vor Unternehmensprofiten haben: Deshalb
müssen Unternehmen und ihre Investitionen durch verbindliche soziale und
ökologische Standards reguliert werden.
Aktionswoche für globale Gerechtigkeit vom
8.-15. April 2005
Gerechtigkeit im Welthandel ist in weiter
Ferne. Noch immer bestimmen die Interessen der reichen und mächtigen Staaten die
Welthandelspolitik und lassen vor allem den wirtschaftlich schwachen Ländern
wenig Spielraum. Menschenrechte und Umwelt finden kaum Beachtung.
Die Regeln des Welthandels werden in der
Welthandelsorganisation (WTO) festgelegt. Im November 2001 begann in Doha eine
neue mehrjährige Verhandlungsrunde: die sogenannte Entwicklungsrunde. Die
Industrieländer haben versprochen, dabei die Interessen der Entwicklungsländer
in den Vordergrund zu stellen.
Doch dies bleibt Rhetorik: Die
gescheiterte WTO-Ministerkonferenz im mexikanischen Cancün im September 2003 und
auch die letzten Verhandlungen im Sommer 2004 zeigen, dass die
Entwicklungsversprechen kaum eingelöst sind.
Die Anliegen der Armen dieser Welt finden zu wenig Beachtung in der
internationalen Handelspolitik. Deswegen wollen wir ihnen in Deutschland Gehör
verschaffen. Denn Gerechtigkeit ist keine Ansichtsache.
Um den Ungerechtigkeiten etwas entgegen zu setzen, wurde auf einem
internationalen handelspolitischen Treffen mit Teilnehmenden aus 50 Ländern im
November 2003 in Neu Delhi die Idee einer
»global week of action« entwickelt.
Unter dem Motto »Setting the peoples' agenda« werden im April 2005 in
zahlreichen Ländern Aktionen stattfinden, mit denen sich Menschen für einen
gerechten Welthandel einsetzen.
Die Umkehr der vorherrschenden neoliberalen Handelspolitik im Interesse der Verwirklichung der
Menschenrechte und der Armutsbekämpfung ist dringend erforderlich.
Im Rahmen der Aktionswoche vom 8.-16. April 2005 ruft
Gerechtigkeit
jetzt!
die Welthandelskampagne dazu auf, sich auch in Deutschland für eine
gerechtere Welthandelspolitik einzusetzen.
Forderungen der Aktionswoche
Kein
Ausverkauf der Wasserversorgung an Konzerne!
Die EU fordert in den GATS-Verhandlungen der Welthandelsorganisation die
Öffnung der Märkte des Südens für europäische Wasser-Konzerne. Wasser kann aber
nicht wie eine beliebige Ware behandelt werden. Auch der Bundestag
hat sich dagegen ausgesprochen, diese Marktöffnung gegenüber Entwicklungsländern
zu fordern.
Herr Minister Clement, setzen Sie sich
dafür ein, dass die EU diese Forderungen zurücknimmt. Der Zugang zu Wasser ist
ein Menschenrecht.
Handelspolitik nicht über unsere Köpfe hinweg!
Die EU und die Bundesregierung räumen den Interessen von Wirtschaftslobbyisten
zu großen Einfluss in der Welthandelspolitik ein. Welthandelspolitik betrifft
aber alle Menschen: Menschenrechte, Sozialstandards und Umweltschutz kommen so
zu kurz. Herr Minister Clement, sichern Sie
deshalb vollständige und rechtzeitige Informationen sowie eine deutlich stärkere
Beteiligung der Zivilgesellschaft und des Deutschen Bundestages und ordnen Sie
sich demokratischen Entscheidungen unter. Handelspolitik muss
demokratisch gestaltet werden.
Kein Freihandel auf Kosten der Umwelt!
Umweltschutz ist aus Sicht der Welthandelsorganisation (WTO) ein Handelshemmnis.
Deswegen entscheidet sie im Zweifel gegen die Umwelt. Umweltpolitische
Maßnahmen und Umweltschutzabkommen dürfen nicht durch die
Regeln der WTO ausgehebelt werden. Herr Minister Clement, sorgen Sie dafür,
dass internationale Umweltabkommen Vorrang vor WTO-Regeln haben. Umwelt ist unsere
Lebensgrundlage,
keine Ware.
Ernährung weltweit
sichern!
Die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) setzen einseitig auf Handelsliberalisierung - auch im Agrarbereich.
Sie begünstigen die Agrarindustrie und bedrohen damit die kleinbäuerliche
Landwirtschaft, die im Wettbewerb
nicht mithalten kann. Dadurch gefährden
diese Regeln die Ernährungs-sicherheit in vielen Ländern des Südens. Herr
Minister Clement, setzen Sie sich deshalb für einen wirksamen Schutz
der kleinbäuerlichen Land-wirtschaft und
der Produktion von Grundnahrungsmitteln in der Welthandelspolitik ein.
Ernährung ist ein Menschenrecht.
Gerechtigkeit jetzt! -
Die Welthandelskampagne
Am Michaelshof 8-10, 53177 Bonn Aktionstelefon:
0228-368
3932
Fax:
0228-92
39 93 56
Email:
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Web:
http://www.gerechtigkeit-jetzt.de
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Ernährung
sichern! – für eine
globale Agrarwende
Eine gemeinsame
Initiative von FIAN, Weltladen-Dachverband und Germanwatch
Links für weitere Informationen
am Schluss dieser Seite
Mangel im Überfluss?!
Auf der Erde hungern mehr als 800 Mio.
Menschen.
Dabei werden genügend Nahrungsmittel für alle produziert. Statistisch stehen
heute weltweit pro Kopf 15% mehr Nahrung zur Verfügung als noch vor 20 Jahren ‑
und die Getreideproduktion hat sich in den letzten 40 Jahren verdreifacht.
Trotzdem haben fast eine Milliarde Menschen keinen gesicherten Zugang zu
ausreichender Ernährung. Daran hat auch die starke Ausweitung des Welthandels
nichts geändert: Obwohl der internationale Handel mit Nahrungsmitteln noch
schneller wächst als die Produktion, ist der Hunger geblieben.
Im Gegenteil: gerade die ungerechte Handelsordnung bedroht die
Ernährungssicherheit in den Entwicklungsländern.
Für einen fairen Welt-Agrarhandel
Kleinbauern und ‑Bäuerinnen in
Entwicklungsländern tragen in hohem Maße zur Ernährungssicherheit der
Bevölkerung bei.
Durch das Agrarabkommen der Welthandelsorganisation WTO das die Regeln für
den internationalen Agrarhandel festsetzt, sind sie aber vielfach benachteiligt
worden. Denn während die bäuerliche Landwirtschaft in Entwicklungsländern ohne
staatliche Förderung auskommen muss, subventionieren die EU und die USA ihre
industrielle Landwirtschaft noch immer mit Milliardenbeträgen. Das drückt die
Preise auf dem Weltmarkt; Millionen von Kleinbauern und ‑Bäuerinnen in
Entwicklungsländern geraten wegen der niedrigen Preise für ihre Produkte in
Armut.
Besonders ruinös wirken Exportsubventionen, mit denen Industrieländer ihre
Agrarexporte zu Dumping‑Preisen absetzen Können: Die einheimische Produktion von
Nahrungsmitteln in Entwicklungsländern lohnt sich nicht mehr ‑ die
Landbevölkerung wird arbeitslos und wandert in die Slums der Städte ab.
Gegen diese Billig‑Importe aus Industrieländern dürfen sich
Entwicklungsländer kaum schützen, während die USA und die EU ihre Märkte immer
noch weitgehend abschotten. So belegt denn auch wie eine Studie der
Welternährungsorganisation FAO, dass die meisten Entwicklungsländer die
Verlierer der Liberalisierung des Weltagrarhandels sind: Die Märkte in den
Industrieländern bleiben ihnen für viele Produkte verschlossen, und die eigenen
Erzeugerinnen verlieren aufgrund der Billigimporte sogar noch den Zugang zu den
lokalen Märkten. Von der Liberalisierung profitieren also die Industrieländer ‑
trotz gegenteiliger Rhetorik. Daher sind faire Regeln für den Weltagrarhandel
nötig. Das bedeutet:
u
Schutzmöglichkeiten für die kleinbäuerliche
Produktion von Grundnahrungsmitteln in
Entwicklungsländern (die so genannte „development box" im Agrarabkommen)
u Schneller
Abbau der Exportsubventionen der Industrieländer
u Öffnung
der Märkte im Norden für landwirtschaftliche Produkte aus Entwicklungsländern
u
Subventionen werden an soziale und ökologische Kriterien gebunden. Nur so kann
gewährleistet werden, dass die
Ernährungssicherung in Entwicklungsländern Vorrang vor den
Wirtschaftsinteressen der Industrieländer hat.
Die Welthandelsorganisation WTO bedroht das Recht, sich zu
ernähren
Das Recht sich zu ernähren ist in der Allgemeinen Erklärung
der Menschenrechte sowie im Sozialpakt der Vereinten Nationen festgeschrieben
und somit völkerrechtlich bindend. Deshalb sind auch die WTO und ihre
Mitgliedsstaaten zur Achtung des Rechts auf Nahrung verpflichtet, wenn sie die
Regeln des Agrarhandels festsetzen.
Das WTOAgrarabkommen bedroht jedoch dieses Menschenrecht. Subventionierte
Importe aus Industrieländern drängen Kleinbäuerinnen und ‑Bauern an den Rand
ihrer Existenz. In Brasilien schließen traditionelle Milch‑Kooperativen,
während große agroindustrielle Betriebe wachsen.
Hohe Preisschwankungen und fehlende Regeln für den einheimischen Markt
belasten schwache Bevölkerungsgruppen. Menschenrechte sind vorrangige
internationale Verpflichtungen. Folglich muss auch das WTO‑Agrarabkommen auf
seine menschenrechtlichen Auswirkungen überprüft werden.
Die WTO
braucht eine Kontrolle durch die Vereinten Nationen.
Zum
Beispiel: „Reis“
Reis ist das Hauptnahrungsmittel für über die Hälfte der
Weltbevölkerung. Unzählige Sorten und Anbaumethoden sowie ein reicher
Erfahrungsschatz an traditionellem Wissen sichern die Ernährung von Millionen
von Menschen.
Der meiste Reis wird in den
Erzeugerländern verbraucht, nur ein geringer Teil gelangt auf den Weltmarkt.
Die von der WTO voran getriebene Liberalisierung im Weltagrarhandel nützt aber
vor allem den Handelsinteressen multilateraler Unternehmen, welche die
Kontrolle über den Weltmarkt für Reis anstreben. Mit Hilfe des WTO-Abkommens
über geistige Eigentumsrechte (TRIPs) versuchen Konzerne, Patente auf wichtige
Sorten wie Basmati-Reis zu erlangen.
Kleinproduzenten und –produzentinnen
müssten dann jedes Mal Gebühren an die Konzerne bezahlen, wenn sie Saatgut auf
ihrer Ernte gewinnen oder die Ernte vermarkten.
Dem gegenüber stellt der Faire Handel
eine echte Alternative dar: Hier werden Kleinbäuerinnen und -bauern im Kampf
gegen die Patentierung, beim Aufbau von Reis-Saatgutbanken oder bei
Kleinkreditprogrammen unterstützt. Mit Kampagnen, Beratung, langfristigen
Handelsbeziehungen und der Zahlung eines höheren Preises trägt der Faire
Handel der Weltläden so zur Verbesserung der Ernährungssicherheit im Süden
gleich. Gleichzeitig bietet er den Konsumenten und Konsumentinnen im Norden
eine konkrete Handlungsalternative.
Ernährung sichern – für eine globale
Agrarwende!
Zugang zu ausreichender Nahrung
ist ein
fundamentales Menschenrecht. Dieses Recht wird Millionen Hungernden
vorenthalten, obwohl es genügend Nahrung für alle gäbe. Der internationale
Agrarhandel, der im Zuge der Globalisierung immer mehr zunimmt, hat den Hunger
auf der Welt nicht gemindert. In seiner gegenwärtigen Form trägt er im Gegenteil
dazu bei, neuen Hunger zu schaffen.
Denn das Agrarabkommen der Welthandelsorganisation WTO begünstigt
die agroindustrielle Produktion der Industrieländer: Auf der einen Seite
monopolisiert eine handvoll Konzerne die Welt‑Agrarmärkte und überschwemmt
Entwicklungsländer mit hoch subventionierten Agrarexporten zu Dumpingpreisen.
Auf der anderen Seite schreitet gleichzeitig die Verarmung der ländlichen
Bevölkerung im Süden voran, weil die Menschen unter diesem Druck der
internationalen Märkte ihre bäuerliche Existenzgrundlage verlieren.
Um das Recht sich zu ernähren für alle Menschen einzulösen, ist eine
globale Agrarwende erforderlich. Die bäuerliche Landwirtschaft in ihrer
einzigartigen kulturellen Vielfalt muss erhalten bleiben, weil sie
Ernährungssicherheit schafft.
Globale Agrarwende heißt Gegensteuern auf internationaler Ebene. Die
Regeln des internationalen Agrarhandels müssen so reformiert werden, dass sie
für und nicht gegen die bäuerliche Landwirtschaft gerichtet sind.
Ernährungssicherheit in Entwicklungsländern muss gefördert und darf nicht
zerstört werden.
„Ernährung sichern ‑ für eine globale
Agrarwende" ist eine gemeinsame Initiative der Menschenrechtsorganisation FIAN
der Nord‑Süd‑Initiative GERMANWATCH und des WELTLADEN-Dachverbandes. Die
Initiative setzt sich für faire Regeln im internationalen Agrarhandel ein:
u
Achtung des Menschenrechts sich zu ernähren
u Schutz
der bäuerlichen Produktion von Grundnahrungsmitteln in
Entwicklungsländern
u Abbau
der Exportsubventionen der Industrieländer
Gefördert durch die Europäische Gemeinschaft.
Hier vertretene Standpunkte geben die Ansicht der Herausgeber
(Weltladen-Dachverband) wieder und stellen in keiner Weise die offizielle
Meinung der Europäischen Gemeinschaft dar.
Das können Sie tun:
Wenn Sie mehr über das Engagement des Weltladen-Dachverbands, den
Fairen Handel oder die Initiative „Ernährung sichern ‑ Für eine globale
Agrarwende" erfahren wollen, wenden Sie sich bitte unter unten stehender Adresse
an uns. Wir freuen uns über jede Nachfrage.
www.weltlaeden.de Der
Weltladen-Dachverband ist die Interessenvertretung der Weltläden in Deutschland.
Von den etwa 700 deutschen Weltläden sind zur Zeit
371 Mitglieder im Weltladen-Dachverband. Sie richten ihre
Arbeit an der
"Konvention der Weltläden" aus.
Weltladen-Dachverband e.V. - Hindenburgplatz 2 - 55118 Mainz
Tel. 06131/68907-80 Fax. 06131/68907-99
E-Mail: info@weltlaeden.de
Schwerpunkte der Arbeit des Weltladen-Dachverbandes sind:
-
Die Idee des Fairen Handels und die Arbeit der Weltläden in
der Öffentlichkeit bekannter zu machen
-
Die Arbeit der Weltläden als "Fachgeschäfte des Fairen
Handels" weiter zu verbessern
-
Die Interessen der Weltläden gegenüber den
Alternativen Importorganisationen zu vertreten
-
Kampagnen zu entwickeln und entsprechende Materialien zu
erstellen, z. B. zur aktuellen Aktion "Sattmacher"
www.fian.de
FIAN ist eine
internationale Menschenrechtsorganisation für das Recht sich zu ernähren. 1986
gegründet, sind bei FIAN (FoodFirst
Informations- & Aktions- Netzwerk) heute in Deutschland
mehr als 1.300 Menschen Mitglieder. In elf weiteren Staaten Asiens, Europas,
Lateinamerikas und den USA gibt es FIAN-Sektionen.
Menschenrechte werden weltweit verletzt.
FIAN tritt dafür ein, dass die Landbevölkerung eine eigenständige
Ernährungsbasis und eine entsprechende Rechtsbasis hat, um überhaupt erst in der
Lage zu sein, die eigene Nahrung produzieren zu können. Das Menschenrecht sich
selbst zu ernähren haben die Vereinten Nationen im
internationalen Pakt über die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte
(Sozialpakt) festgeschrieben.
www.germanwatch.org GERMANWATCH ist
eine Nord-Süd-Initiative, die an der Entwicklung des Nordens arbeitet. Denn die
ökonomische und ökologische Umorientierung im Norden ist die Voraussetzung
dafür, dass die Menschen im Süden unter menschenwürdigen Bedingungen leben
können.
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Aktion:
Mangos für Schutzengel
Seit
2000 sind die allseits begehrten getrockneten Mangos, erfolgreiches Produkt der
„Aktion Schutzengel". Zusammen mit dem Katholischen Hilfswerk missio und der
philippinischen Organisation Preda kämpft dwp mit dieser Kampagne gegen
Sextourismus und Kinderprostitution in Ländern wie Thailand, Indien, Sri Lanka
und den Philippinen – woher die Mangos stammen.
Getrocknete Mangos sind die süßen Botschafter für eine Welt ohne sexuelle
Ausbeutung. Mit ihnen konnten wir 100.000fach auf diesen globalen Missstand
aufmerksam machen und gleichzeitig tausenden von philippinischen Kleinbauern ein
gesichertes und faires Einkommen ermöglichen.
Menschen sind keine Ware
Mit Mut und Entschlossenheit setzt sich die Organisation Preda für tausende
von philippinischen Kindern und Jugendlichen ein, die gezwungen werden, ihre
jungen Körper zu verkaufen. Shay Cullen Gründer von Preda und weltweite
Symbolfigur im Kampf gegen Kinderprostitution, schätzt die Gesamtzahl der
betroffenen philippinischen Minderjährigen auf 100.000. Im Kinderschutzzentrum
in Olongapo City werden etwa 40 Kinder betreut und therapeutisch behandelt -
darunter auch Opfer von deutschen Tätern.
Pia kann wieder lachen! Vor 6 Jahren führte
die mutige Zeugenaussage des philippinischen Mädchens Pia zur ersten
Verurteilung eines deutschen Pädophilen in seinem Heimatland. Den ihr zugefügten
Schmerz hat Pia inzwischen weitgehend überwunden. Heute kämpft Pia für die Reche
der Kinder ‑ so auch für die „Aktion Schutzengel“.
Ihre Unterstützung
Ihre Unterstützung ‑ Genuss fair gehandelter Mangoprodukte. Wie bei allen
Aktivitäten bekämpft Preda auch die Kinderprostitution an den Wurzeln. Eine
wichtige Ursache für das boomende Sexgeschäft ist die extreme Armut der
einheimischen Bevölkerung, die viele Menschen in die Verzweiflung treibt. Neben
öffentlichkeitswirksamen Kampagnen, internationaler Lobbyarbeit und sozialen
Leistungen schafft Preda deshalb über den Fairen Handel neue, wirtschaftliche
und soziale Perspektiven für die betroffenen Menschen. Seit mehr als 10 Jahren
ist dwp aus Ravensburg der wichtigste Partner von Preda in Deutschland. Durch
die langjährige Zusammenarbeit und die Zahlung fairer, höherer Erzeugerpreise
erzielen die beteiligten Kleinbauern ein gesichertes Einkommen und werden in
ihrem Zusammenhalt gestärkt. Dies bedeutet Unabhängigkeit von Zwischenhändlern
und Spekulanten aber auch einen besseren Schutz vor den Machenschaften der
menschenverachtenden internationalen Sexindustrie.
Durch öffentliche Lobbyaktionen mit Prominenten, in Schulveranstaltungen,
Theateraufführungen mit philippinischen Jungendlichen, sowie Fachgesprächen mit
Menschenrechtspolitikern des Bundestags schafft dwp das notwendige Bewusstsein,
um Rahmenbedingungen zu verändern und potenzielle Täter abzuschrecken. Machen
Sie mit!
Schutzengel gesucht
400.000 deutsche Männer fliegen Jahr für Jahr in die große weite Welt und
wollen nur das eine. Einige Tausend von ihnen schrecken selbst vor Sex mit
Kindern nicht zurück. Solche Verbrechen machen wütend. Aber nicht ohnmächtig.
missio kämpft seit vielen Jahren gegen Kinderprostitution und Sextourismus. Wir
unterstützen rund 30 Projekte in Ländern wie Thailand, Indien, Sri Lanka, Kenia,
Südafrika und auf den Philippinen. Unsere Partner schützen Kinder vor sexueller
Gewalt und ermöglichen Mädchen und Jungen den Ausstieg aus der Prostitution. Sie
befreien die missbrauchten Minderjährigen von ihren traumatischen Erlebnissen
und geben ihnen die Chance, ein neues Leben zu beginnen. Tausende engagierte
Menschen unterstützen bislang die missio-Kampagne gegen Sextourismus und
Kinderprostitution. Helfen auch Sie Missio bei der Aktion Schutzengel.
Erklärung zur "Aktion Schutzengel"
Das katholische Hilfswerk missio unterstützt seit Jahren den Kampf
gegen Kinderprostitution durch zahlreiche Hilfsprojekte in Ländern der so
genannten Dritten Welt. In Deutschland kämpft missio gegen die Förderung des
Sextourismus und konnte beispielsweise 1997 erwirken, dass in
Marco-Polo-Fremdenführern keine Tipps für Sextouristen mehr veröffentlicht
werden.
Verstärkter Kampf gegen Kinderprostitution
missio fordert alle, die von dieser Problematik berührt sind, zum verstärkten
Engagement gegen Kinderprostitution auf: Die politisch Verantwortlichen müssen
Maßnahmen ergreifen, die die Ursachen von Kinderprostitution bekämpfen. Die
Reisebranche darf sich nicht am lukrativen Geschäft des Sextourismus beteiligen
oder als Helfershelfer dienen, wenn z.B. Verträge mit Hotels geschlossen werden,
in denen erwiesenermaßen Prostitution betrieben wird. Die Justizbehörden, die
Polizei und Botschaften müssen sich bewusst sein, dass Kinderprostitution ein
organisiertes Verbrechen mit Milliardengewinnen ist, das in Brutalität und
Auswirkung dem Drogen- und Waffenhandel nicht nachsteht. Entsprechend wirksame
Maßnahmen sind gefordert. missio appelliert an die Freier, mit sich selber ins
Gewissen zu gehen. Niemand wird als Pädophiler geboren, aber jeder kann
entscheiden, ob er das, was er Trieb nennt, auf Kosten von Kindern auslebt oder
nicht. Kinderprostitution ist eine Sünde und ein Verbrechen. Jeder Freier, der
das anerkennt bewahrt mit dieser Entscheidung viele Kinder vor der nackten
Gewalt.
Wiedergutmachung für die Opfer
Nach der Verurteilung von Sexualstraftätern werden die Opfer meist ihrem
Schicksal überlassen. Besonders in den Ländern der so genannten Dritten Welt
gibt es kaum Hilfsprogramme für die traumatisierten Kinder. Hier müssen
Entschädigungszahlungen eingefordert werden, damit den Opfern der Widereinstieg
in ein normales Leben erleichtert wird.
Therapien für die Täter
Wirksame Therapien für Sexualstraftäter müssen in Deutschland Pflicht
werden. Entsprechende Programme in den Niederlanden können hierbei als Vorbild
dienen: 95 Prozent der therapierten Täter werden nicht rückfällig.
missio-Kampagne "Schutzengel gegen Kinderprostitution"
Im Kampf gegen Kinderprostitution startet missio die "Aktion Schutzengel".
Durch Medienarbeit und Aktionen auf deutschen Flughäfen wird missio auf die
Thematik Kinderprostitution aufmerksam machen. Jährlich fliegen schätzungsweise
400.000 deutsche Sextouristen nach Bangkok, Manila und an andere Zielorte.
Mehrere tausend von ihnen schrecken selbst vor Kindern nicht zurück. missio wird
die Förderung von Hilfsprojekten auf den Philippinen, Thailand, Indien und Sri
Lanka ausbauen. Mehrere Projektpartner von missio leisten dort seelsorgerische
und therapeutische Hilfe auch für die Opfer deutscher Sextouristen.
Weitere Infos direkt unter:
http://www.missio-aachen.de/veranstaltungen-aktionen/aktion/schutzengel/
oder
www.preda.org (englisch)
Wie bei allen ihren Aktivitäten
bekämpft PREDA auch die Kinderprostitution an den Wurzeln. Eine wichtige Ursache
für das boomende Sexgeschäft ist die extreme Armut, die die Menschen in die
Verzweiflung treibt. PREDA schafft durch den fairen Handel mit Mangos neue,
wirtschaftliche (Überlebens-) Perspektiven für die betroffenen Menschen. Durch
den Verkauf der Mangoprodukte in über 750 Weltläden in Deutschland wird den
Kleinbauern ein zuverlässiger Absatz ihrer Mangos ermöglicht.
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Stuttgarter Zeitung Nr. 229 – Samstag 4.10.03 - DIE DRITTE SEITE -
Kinderprostitution auf den
Philippinen
Die Männer müssen nur eine Nummer wählen
Auf den Philippinen gibt es
100 000 Kinderprostituierte. Der irische Pater Shay Cullen versucht, sie aus den
Bars zu holen, in denen sie für eine Stunde oder eine Nacht feilgeboten werden.
Von Rebecca Hillauer, Manila
Kurz nach Mitternacht läuft die „Modenschau" in der Cristal Discothek. Über der
Bühne hängt ein „Playboy"‑Bunny‑Plakat. Draußen schiebt sich der Autoverkehr
durch den Harrizon Boulevard in Manila. Drinnen dröhnt aus den Lautsprechern
Musik. Fünf blutjunge Frauen in BH und Höschen tanzen dazu. Sie blicken mit
starrem Gesicht ins Dunkel über den Köpfen der Männer im Saal. An den Höschen
der Mädchen sind Nummern befestigt. Die Männer können eine Nummer wählen, dann
gehört ihnen das Mädchen für eine Stunde oder die ganze Nacht.
Nach Schätzungen von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, gibt es
auf den Philippinen 100 000 Kinderprostituierte. Sie kommen aus den Slums der
Städte oder vom Lande, vertrieben von Armut, Lieblosigkeit, Gewalt und zu viel
Alkohol in den Familien. Von ihren Eltern sind sie als Dienstboten in die Stadt
geschickt worden, dort gehen sie Zuhältern ins Netz. Die Freier kommen aus
Europa, den USA, Australien, Japan. Allein aus Europa sollen es 400 000 sein.
Viele suchen Sex mit Minderjährigen.
Auf den rot‑weiß karierten Wachstüchern der Tische im Cristal stehen Flaschen
mit Red Horse Beer und Whiskey. Auf dem Tisch von Schwester Alma und Schwester
Bibat, zwei philippinischen Nonnen, stehen zwei Gläser mit Orangensaft. Die
beiden Ordensfrauen ziehen in T‑Shirts und Hosen durch die Bars der Stadt, um
Prostituierten Hilfe anzubieten. „Wir finden sie in Bars und Einkaufszentren",
sagt Schwester Alma.
Die Polizei hält die Hand auf
Eine Lautsprecherstimme kündigt an, dass die Mädchen nun solo tanzen. Nummer 254
beginnt. Sie ist nackt, trägt nur ein Paar hochhackige Schuhe. In aufreizender
Pose lehnt sie sich gegen die Bühnenwand. Offiziell sind die „Fashion-Models"
älter als 18. Die Beschäftigung von Minderjährigen ist auf den Philippinen
verboten. Seit 1992 steht auf Kindesmissbrauch die Todesstrafe. Abzuschrecken
scheint das niemanden. „Die Polizei hält die Hand auf und drückt beide Augen
zu", beklagt Pater Shay Cullen die Korruption im Land. Obwohl der Ire einem
anderen Orden angehört als die Nonnen in Manila, hat er das gleiche Ziel wie
sie. 1974 gründete er in der Hafenstadt Olongapo, 80 Kilometer nördlich von
Manila, ein Kinderschutzzentrum. Sexuell missbrauchte Kinder finden hier ein
Zuhause, können wieder zur Schule gehen und sich durch eine Therapie von ihren
Traumata befreien.
Die 19‑jährige Pia Corvera ist in den Slums von Manila aufgewachsen. Weil ihre
Eltern das kleine Mädchen nicht bei sich haben wollten, nahm die Großmutter es
bei sich auf. Doch Liebe konnte auch sie nicht geben. „Ich erinnere mich nur an
Schreie und Schläge", sagt Pia. Sie flüchtete sich in die Gemeinschaft von
Straßenkindern. Eines der Kinder nahm sie mit zu einem Zuhälter. Erst in der
Therapie schrie Pia all ihren Schmerz und ihre Wut auf ihre Eltern, auf die
Zuhälter und Freier von der Seele. Nach drei Jahren war die Gequälte frei.
Im Schutzzentrum, einer großen zweistöckigen Villa im Kolonialstil, leben
zurzeit 34 Kinder. Das Haus liegt am Rande der Stadt auf einer Hügelkette an der
Küstenstraße. Durch die Bäume kann man weit über die Subic Bay, die Bucht und
den Freihafen blicken. Bis 1991 war dort eine Basis der US‑Marine. Die
Philippinen sind das am stärksten amerikanisierte Land Südostasiens. Pater
Cullens Kampf gegen den Sextourismus begann, als der heute 60‑Jährige als junger
Priester nach Olongapo kam. Er war schockiert darüber, wie amerikanische
Marinesoldaten die Armut der Bevölkerung skrupellos zu ihrem Vergnügen
ausnutzten. „In den Krankenhäusern wurden Neunjährige mit Geschlechtskrankheiten
eingeliefert." Cullen initiierte Proteste, verklagte sogar die US‑Regierung. Als
deren Truppen 1991 abzogen, gab es keinen Grund zum Aufatmen: Nach den Soldaten
kamen die Sextouristen.
Sextourismus gehört heute zu den lukrativsten Einkommensquellen im Bereich der
organisierten Kriminalität. „Mir ging es damals nur um eines: viel Geld zu
haben", gesteht der ehemalige Zuhälter Rosito Villaflor. Er lockte Mädchen und
Jungen mit Arbeitsangeboten in die Bars. „Wenn sie einmal drin waren, kamen sie
nicht wieder raus. Wir drohten ihnen mit Schlägen. Wer sich noch immer nicht
fügte, wurde „zugeritten". Dann wussten sie auch gleich, was sie mit den Kunden
tun sollten."
Pia war 11 Jahre alt, Marlyn 13, als sie an einen deutschen Sextouristen
vermietet wurden ‑ für einen Tagespreis von damals umgerechnet 90 Mark. Pater
Cullen sorgte dafür, dass der Täter bis nach Deutschland verfolgt wurde. 1996
flogen Pia und Marlyn nach Iserlohn und brachten ihren Peiniger mit ihrer
Aussage hinter Gitter. Ein bisher einzigartiger Fall. Und der erste nach
Einführung des Extra‑Territorial-Prinzips: Deutsche können von der deutschen
Justiz auch dann strafrechtlich belangt werden, wenn sie die Straftat im Ausland
begangen haben.
„Auf den Philippinen streiten Politiker oft ab, dass es Kinderprostitution
überhaupt gibt", sagt Pater Cullen. Mit versteckter Videokamera macht er deshalb
Aufnahmen in den Bars. Vor sechs Monaten half er mit, dass neun Clubs in Angeles
City geschlossen wurden. Die Stadt, eine Autostunde von Manila entfernt, gilt
als Mekka der Pauschal‑Sextouristen. Die Besitzer der Clubs, ein Amerikaner und
ein Australier, wurden verhaftet, zusammen mit ihren Zuhältern. „Dafür haben wir
viel Druck auf die Bundespolizei machen müssen", erzählt Pater Cullen.
„Normalerweise hätten die Bars Bestechungsgelder an die Polizei bezahlt, und
nichts wäre passiert."
Pater Cullen erhält Morddrohungen. Sein Engagement brachte Pater
Cullen viele Feinde, vor allem in der Sex‑Mafia. Er erhielt Morddrohungen. Mit
Gegenanzeigen versuchte man, ihn zu diskreditieren. Hauptdrahtzieher soll ein
Deutscher sein, der in Olongapo lebt und gute Kontakte zu lokalen Politikern
hat. Alle Verfahren gegen Pater Cullen wurden jedoch eingestellt. Er erhielt
mehrere internationale Menschenrechtspreise. Deutsche Politiker haben ihn
für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.
Bei der „Modenschau" im Cristal tanzen die Mädchen wieder gemeinsam ‑ in
Dessous. Einige Mädchen tragen keine Nummern mehr, sie sind bereits vergeben.
Alle anderen sind noch zu haben. Nach der Show sitzen sie dicht gedrängt in
einem Zimmer, durch ein großes Fenster freigegeben zur Fleischbeschau für
diejenigen Männer, die sich noch nicht entschieden haben. Schwester Alma und
Schwester Bibat haben keine Chance, mit den Mädchen zu sprechen.
Das Team von Pater Cullen in Olongapo hat ein paar Tage später etwas mehr Glück.
Im „Night Rider“ einem Club irgendwo an der Subic Bay ist nicht viel los an
diesem Abend. An einem Ecktisch hält ein Ausländer ein zierliches Mädchen im
Arm. Als die Sozialarbeiter eintreten, ist der Clubinhaber froh über die
vermeintlichen neuen Gäste. Er schickt ein Mädchen an ihren Tisch, das zugibt,
erst 16 Jahre alt zu sein. Ein Sozialarbeiter aus Cullens Team wird bald wieder
in den „Night Rider“ gehen und versuchen, das Mädchen zu überzeugen, dass es
besser ist zu gehen. Vielleicht wird es ihm sogar gelingen.
Die
Scham ist so groß wie das Elend,
das skrupellose Sextouristen ausnützen
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Jetzt
handeln
für Entwicklung und Frieden!
- Weil wir den Weg zu
Gerechtigkeit und Frieden ebnen wollen.
Schon vor
mehr als dreißig Jahren haben sich die Industriestaaten der Vollversammlung der
Vereinten Nationen verpflichtet, mindestens 0,7 Prozent ihres
Bruttosozialproduktes für öffentliche Entwicklungszusammenarbeit
aufzuwenden. Doch der richtigen Einsicht in die besondere globale Verantwortung
der reichen Länder folgten kaum Taten.
Im
Gegenteil: Während in Deutschland 1980 immerhin noch 0,44 Prozent für die
Entwicklungszusammenarbeit aufgebracht wurde, sind es heute nur noch 0,27
Prozent. Im März 2002 hat die Bundesregierung zwar verkündet, die
Selbstverpflichtung der EU-Staaten in Barcelona mit zu tragen und den deutschen
Anteil der öffentlichen Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit bis 2006 auf
0,33 Prozent zu erhöhen. Doch dieser erste, zaghafte Schritt reicht bei weitem
nicht aus: Nach Berechnungen der Weltbank müssen die öffentlichen Mittel sofort
weltweit verdoppelt werden, wenn die „Millenniumsziele" der Armutsreduzierung
umgesetzt werden sollen. Die Bundesregierung hat diese Millenniumsziele in ihrem
„Aktionsprogramm 2015" ausdrücklich übernommen.
Um den Frieden in der Welt dauerhaft zu sichern, brauchen die Menschen im Süden
Zukunftsperspektiven. Die Grundlage dafür muss durch verstärkte Anstrengungen in
der Entwicklungspolitik gelegt werden.
Damit den
vielen Worten endlich Taten folgen, mischen sich jetzt d kirchlichen Hilfswerke
Misereor, Brot für die Welt und der Evangelische Entwicklungsdienst in den
bevorstehenden Bundestagswahlkampf ein. Gemeinsam fordern wir eine spürbare
Erhöhung der öffentlich Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit.
Denn:
Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sind nicht zum Nulltarif zu
haben.
„Millennium‑Erklärung" der Vereinten Nationen
Beim Gipfeltreffen der Verein Nationen im September 2000 haben die
Staats‑ und Regierungschefs feierlich erklärt, bis zu Jahr 2015 die folgenden
Ziel erreichen:
• Der Anteil der in absoluter Armut lebenden Menschen (ggw. 1,2 Mrd.)
soll halbiert werden.
• Weltweit sollen alle Kinder zumindest eine Grundschulausbildung
erhalten.
• Die Mütter‑ und Kindersterblichkeit soll drastisch
reduziert werden.
• Die Verbreitung von Epidemien wie AIDS und Malaria soll
zurückgedrängt
werden.
- Weil wir
alle nur eine Welt haben
Am 11.
September 2001 haben wir auf dramatische Weise erkennen müssen, dass wir in
einer Welt leben. Niemand kann menschenwürdig leben und sich sicher
fühlen, solange andere unter Unrecht und Hoffnungslosigkeit leiden. Militärische
Antworten greifen zu kurz. Daher
fordern die
kirchlichen Werke gemeinsam mit anderen Organisationen: Bis 2006 muss der Anteil
der Entwicklungshilfe am Bruttosozialprodukt auf mindestens 0,5 Prozent steigen,
um bis zum Ende des Jahrzehnts das international vereinbarte 0,7 Prozent Ziel zu
erreichen.
Doch es
geht nicht nur um Geld. Es geht vor allem um den politischen Willen, etwas zu
verändern, damit andere würdig leben können.
Eine
Lobby für die Armen
Misereor,
Brot für die Welt und Evangelischer Entwicklungsdienst engagieren sich auch in
Deutschland und Europa als Anwalt für die Armen und Ausgegrenzten in der Welt.
Mit Kampagnen wie für die Ächtung von Landminen oder für die Entschuldung der
ärmsten Länder („Erlassjahr 2000") nahmen sie erfolgreich Einfluss auf
Entscheidungen von Politik und Wirtschaft.
Die kirchlichen Werke fordern:
Mit der Steigerung der finanziellen Mittel muss der politische Wille der
Bundesregierung einhergehen, die Globalisierung gerechter zu gestalten,
insbesondere durch
• Faire Handelsbedingungen durch den Abbau von Subventionen und
Handelsschranken in den Industrieländern.
• Nachhaltige Entschuldungsprogramme, damit die ärmsten Länder in
ihre Entwicklung investieren können.
• Reduzierung der Rüstungsexporte, damit Kinder zur Schule gehen
statt in den Krieg zu ziehen.
• Stärkung des politischen Selbstbestimmungsrechts, weil die
Bevölkerung das Schicksal ihrer Länder selbst in
die Hand nehmen muss.
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çhier anklicken für weitere Infos
Eine gerechte Lösung ist
möglich!
Mehr Leben, mehr Gesundheit, mehr Bildung,
mehr Hoffnung
Verschuldung verhindert Entwicklung
Mehr als eine Milliarde Menschen
leben in Elend. Ihre
Länder müssen
riesige Auslandsschulden tilgen.
Schon die enorme Zinslast
erdrückt jede
mögliche Entwicklung.
Es trifft die Ärmsten: kein Schulbesuch, weil Bildung unbezahlbar ist,
Gesundheitsversorgung nur gegen hohe Gebühren,
hohe Transportkosten, weil Straßen kaputt sind und es kaum öffentliche
Verkehrsmittel gibt.
Wer
auch immer die gigantische Verschuldung zu verantworten hat,
die Verelendung ganzer
Völker und Länder
ist ein Skandal.
Entwicklung braucht Entschuldung
Erlassjahr.de
macht mit Informationsveranstaltungen und öffentlichen Aktionen auf die
Notwendigkeit eines Schuldenerlasses für die Länder der Dritten Welt aufmerksam.
Erlassjahr.de
richtet seine Forderungen direkt an die politischen Entscheidungsträger in
Deutschland, um Entschuldung effizient voranzutreiben. Erlassjahr.de kämpft für
gerechten und fairen Schuldenerlass, damit eine dauerhafte Entwicklung der armen
Länder des Südens möglich wird.
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Widerstand gegen die Macht des Marktes
aus Evang. Gemeindeblatt 3/2003
Globalisierungskritiker machen gegen
freien Welthandel mit Dienstleistungen
Für die einen ist der unbegrenzte
Welthandel die größte Errungenschaft der Menschheit, für die anderen die Ursache
wachsender Armut in weiten Teilen der Welt. In Zukunft sollen auch alle
Dienstleistungen von Handelsbeschränkungen befreit sein. Dagegen regt sich
heftiger Widerstand. Gegner befürchten die Auflösung sozialer und ökologischer
Standards.
Globa1isierungskritiker warnen davor,
Wasser zur Ware zu machen und der globalen Marktwirtschaft auszusetzen. Sie
befürchten, dass dadurch viele Menschen von der Versorgung mit diesem
Lebensmittel ausgeschlossen werden.
Unter dem Kürzel „GATS" wird derzeit über
die weitere Liberalisierung der Weltwirtschaft verhandelt. Nach dem 1995 in
Kraft getretenen „General Agreement an Trade in Services" (Allgemeines
Übereinkommen über den Handel mit Dienstleistungen, kurz GATS) sollen
Dienstleistungen künftig wie Waren behandelt werden und über Grenzen hinweg
unbeschränkt erbracht werden dürfen. Lediglich so genannte „hoheitlich"
erbrachte Dienstleistungen und solche, die mit Luftverkehrsrechten
zusammenhängen, sind ausgenommen. Im vergangenen Juli haben die
Unterzeichnerländer erstmals konkrete Forderungslisten ausgetauscht. Dabei hat
die Europäische Union Forderungen an insgesamt 109 Länder gerichtet und selbst
Forderungen von mehr als 20 Ländern erhalten. Wie bei Verhandlungen der
Welthandelsorganisation (WTO) üblich, werden die Forderungen geheim gehalten.
Vor allem diese Geheimniskrämerei hat
Kritiker, an vorderster Front die globalisierungskritische Organisation Attac
(Association pour une Taxation des Transactions financieres pour 1' Aide aux
Citoyens, Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen zum Nutzen der
Bevölkerung), auf
den Plan gerufen. „Die Verhandlungen sind
sehr intransparent", bemängelt Thomas Fritz, der bei Attac die Anti‑GATS-Kampagne
koordiniert. In der Tat ist das Verfahren schwer zu durchschauen: Deutschland
wird zwar durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA)
vertreten, die BMWA-Beamten konferieren aber nicht direkt mit den anderen GATS‑Staaten.
Das macht für alle Länder der Europäische Union EU-Handelskommissar Pascal
Lamy. Ihm wirft Attac vor, die Interessen der EU‑Bürger zu missachten und ein
„Europa der Konzerne" zu vertreten. Attac fordert deshalb den Stopp der
Verhandlungen und eine Offenlegung aller Forderungen. Kritik kommt auch vom
Diakonischen Werk der EKD.
Informationen im Netz
Dagegen betont die WTO, man sorge für
größtmögliche Transparenz. So sind auf der Internet‑Seite zahlreiche
Informationen eingestellt, eine Möglichkeit zur Mitsprache ist aber nicht
vorgesehen und angesichts der komplizierten Materie auch kaum möglich. Dagegen
versucht die Wirtschaft Einfluss zu gewinnen. So haben sich speziell für GATS
Unternehmen und Verbände aus verschiedenen Dienstleistungsbranchen zum
„Europäischen Service‑Forum" (ESF) zusammengeschlossen und ein Büro in Brüssel
eröffnet. Mitglied ist auch der Bundesverband der freien Berufe (BfB), der die
mehr als 700 000 Freiberufler in Deutschland vertritt. Der Großteil ‑rund 35
Prozent - arbeitet in Heilberufen. Man setze sich dafür ein, dass die hohen
Standards für Freiberufler, etwa die Zulassungsbestimmungen
für Arzte und Anwälte, durch die
Liberalisierung nicht aufgeweicht werden, erklärt BfB-Juristin Claudia
Diaberner. Im Gesundheitswesen gebe es bisher keine Liberalisierungsforderungen
an die EU. „Man wird hier auch sehr vorsichtig sein, schließlich berührt das die
staatliche Pflicht zur Daseinsvorsorge." Ausbremsen wolle man die
Liberalisierung aber nicht, schließlich gehe es bei GATS auch darum, dass
Patienten sich in einem anderen Land behandeln lassen können.
Dagegen befürchtet Thomas Fritz, dass
ausländische Krankenversicherer das bestehende deutsche System unter Druck
setzen. Denn der Risikostrukturausgleich der deutschen Krankenkassen werde von
der WTO als unerlaubte Subvention gewertet. Probleme drohten auch in Bereichen
wie Wasserversorgung, Gesundheit und Bildung. „Gerade die öffentlichen Dienste
müssen aufgrund der unklaren GATS‑Definition ,hoheitlicher` Aufgaben mit
verschärftem Wettbewerbsdruck rechnen", erklärt der Attac‑Koordinator. Würden
diese „hoheitlichen" Aufgaben in Konkurrenz zu privaten Anbietern erbracht,
greife das GATS. Subventionen für gemeinwohlorientierte Aufgaben und damit die
Dienste selbst stünden dann zur Disposition. Einmal gemachte Zugeständnisse
seien zudem praktisch unumkehrbar. „Länder, die Liberalisierungen zurücknehmen,
müssen Kompensationen oder Strafzölle bezahlen", erklärt Fritz. „Das werden sich
nur wenige Länder leisten können." So führe GATS dazu, dass die Staaten
zunehmend ihre Souveränität einbüßten.

„Volk muss korrigieren können"
Davor warnt auch der Vorsitzende der
Bundestagsenquetekommission. Gegen die Ökonomisierung
aller Lebensbereiche
formiert sich weltweit Widerstand.
„Globalisierung der Weltwirtschaft", Ernst
Ulrich von Weizsäcker (SPD). Die Steuerung des
Weltgeschehens dürfe nicht dem
Markt überlassen werden. „Das Volk, die Demokratie muss
korrigieren können."
Darauf baut auch Attac und ruft am 13. März
zu einem europaweiten Aktionstag gegen GATS auf. Der
Termin ist nicht zufällig
gewählt: Bis zum 30. März müssen die WTO‑Mitglieder erklären, für welche
Dienstleistungen sie ihre Märkte internationalen Mitbewerbern öffnen wollen.
Ernst Ulrich von Weizsäcker (SPD) warnt davor, die Steuerung des
Weltgeschehens allein dem Markt zu überlassen.
Internet‑Tipp (hier nicht
verlinkt)
Bundesministerium für Wirtschaft und
Arbeit: www.bmwi.de
Welthandelsorganisation:
www.wto.org
Attac: www.attacnetzwerk.de,
www.gats‑kritik.de
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Afrika –
steht ein ganzer Kontinent auf
verlorenem Posten?
Abgehängt von den
Tigerstaaten
Lichtblick Landwirtschaft

Alle Trends der vergangenen 25 Jahre weisen nach unten: Die Lebenserwartung in
Afrika ist gesunken, ebenso das Prokopfeinkommen. Steht der Kontinent womöglich
auf verlorenem Posten? Von Christoph Link, Nairobi
Die letzten positiven Wirtschaftsnachrichten stammen von den Global Players,
zumindest sie scheinen immer ein waches Interesse an Afrika zu haben. Coca-Cola
hat eine Getränkefabrik in Mogadischu eröffnet, in einer Stadt, in die westliche
Diplomaten und Politiker seit gut einem Jahrzehnt wegen den ständigen
Schießereien zwischen somalischen Warlords und dem verbreiteten Kidnapping von
Ausländern keinen Fuß mehr setzen. 100 bewaffnete Männer überwachten die
Eröffnungsfeier der Cola-Fabrik, die erste große Investition seit dem Fall des
Siad-Barre-Regimes vor 13 Jahren.
Und auch aus Paris kam unlängst ein aufmunternder Bericht über günstigere
Wirtschafsdaten in Afrika: Wegen des anhaltenden Hochs bei den Preisen für Öl,
Gold und Baumwolle könne der Kontinent mit steigenden Wachstumsraten rechnen,
meint die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD): In diesem und im nächsten Jahr seien sogar vier Prozent Wachstum drin,
und auch 2003 sei mit 3,6 Prozent Wachstum recht gut gewesen. Aber all das wird
nicht ausreichen, um Afrika aus der Armutsfalle zu befreien. Jahr für Jahr hat
Afrika bei fast allen Wirtschaftsdaten seine Position als größter Verlierer im
weltweiten Vergleich ausgebaut. Beispiel Investitionen: Obwohl in den 53 Staaten
Afrikas gut 13 Prozent der Weltbevölkerung leben, werden hier weniger als zwei
Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen getätigt - Tendenz fallend.
Warum sollte man auch in Afrika investieren? "Nicht einmal die Afrikaner
investieren in Afrika, 40 Prozent des Privatvermögens wird außerhalb des
Kontinents gebunkert", schreibt der britische "Economist".
Die Weltbank veröffentlichte kürzlich die so genannten
Welt-Entwicklungsindikatoren, nach denen Asien in den Jahren 1981 bis 2001 stark
vom wirtschaftlichen Aufschwung profitiert habe, der Mittlere Osten und
Nordafrika ebenso, aber im Afrika südlich der Sahara sei das Prokopfeinkommen um
15 Prozent gesunken. Begleitet vom weltweit höchsten Bevölkerungswachstum von
drei Prozent, schnellte die Zahl der Menschen mit einem Tageseinkommen von unter
einem Dollar in die Höhe: von 164 Millionen auf 314 Millionen, das heißt, fast
jeder Zweite in Schwarzafrika lebt in extremer Armut.
"Es gibt hier Bauern, die haben zu essen. Aber keinen einzigen Pfennig Bargeld
für Salz, Seife oder Öl", sagt ein Lehrer aus dem Distrikt Busia im Westen
Kenias. Theoretisch könnte man bei Busia Zuckerrohr anbauen und verkaufen, doch
an wen? Es fehlen Straßen zur Vermarktung des Produktes, es fehlt eine
Zuckerfabrik, es fehlen Elektrizität und Wasserversorgung, es fehlt an allem -
nicht nur in Busia, sondern überall in Afrika.
Ein deprimierendes Beispiel ist der bevölkerungsreichste Staat, Nigeria. Vor 40
Jahren verfügte das westafrikanische Land über einen höheren Reichtum als
Südkorea, aber während der asiatische Tigerstaat in sein Humankapital
investierte und seine Exportindustrie ankurbelte, wurde Nigerias Ölreichtum von
korrupten Militärdiktatoren verschleudert. Heute hat Südkorea ein 30-mal höheres
Prokopfeinkommen als das Nigerias (290 Dollar), es produziert Autos, während die
einzige Peugeot-Fabrik im nigerianischen Kaduna streikgelähmt ein Schatten ihrer
selbst ist. Obwohl Nigeria der sechstgrößte Ölexporteur der Welt ist, ist das
Land nicht in der Lage, in nennenswerten Mengen eigenes Benzin herzustellen. Die
vier Raffinerien des Landes sind marode und arbeiten mit einer Auslastung von 20
bis 30 Prozent.
"Es wird wenig investiert in Nigeria, wer kann, der schafft sein Geld außer
Landes", sagt ein westlicher Ökonom in Abuja, der die Anonymität vorzieht. Die
Öleinkünfte würden von einem aufgeblähten Beamtenapparat "verkonsumiert" oder
sie gingen im "Ineffektivitätssumpf" verloren, sagt der Experte. Selbst Nigerias
Geschäftsmetropole Lagos leidet unter Stromausfall, "weil kaum jemand seinen
Strom bezahlt". Die Ölförderung könnte theoretisch der Segen für Nigeria sein,
aber Konzerne wie Shell fördern zunehmend off-shore, denn an Land im Niger-Delta
gibt es zu viele Probleme mit den Menschen: zum Beispiel Übergriffe auf die
Ölanlagen, Benzinklau an den Pipelines.
Afrikas Ölgiganten wie Nigeria und Angola erwirtschaften täglich 100 Millionen
Dollar aus dem Ölgeschäft, schätzte Antony Goldman von "Clearwater Research
Services" in einem BBC-Beitrag. Dennoch gehörten beide Staaten zu den ärmsten 30
Ländern der Welt. Das Öl habe es kaum geschafft, Frieden, Fortschritt oder
Wohlstand in Afrika zu schaffen, meint Goldman. Zumindest in Nigeria wird ein
Silberstreif am Horizont gesehen: Präsident Olusegun Obasanjo will einem
Programm beitreten, das die freiwillige Offenlegung von Zahlungen der Öl- und
Bergbauindustrie vorsieht. Transparenz ist die Vorbedingung für gerechte
Verteilung. Verkrustete und korrupte Bürokratien behindern die privaten
Unternehmen überall in Afrika, sie bürden ihnen hohe Risiken auf und bremsen den
Aufstieg. Zum Beispiel in Kenia: Hier hatten Politiker im Agrarbereich Monopole
gegründet, halbstaatliche Kooperativen etwa für Milchwirtschaft und Kaffee, die
dann jahrzehntelang ausgeplündert und in den Ruin getrieben wurden. Hunderte von
kleinen Kaffeebauern sahen nie ihre Ernteerlöse.
Während ein Kaffeebauer in Brasilien 90 Prozent des Wertes seiner Produktion
verdient, bleiben einem kenianischen Kaffeebauern nur 50 bis 60 Prozent - fünf
Zwischenstufen müssen auf dem Weg von der Ernte zum Hafen bedient werden:
Zwischenhändler, Kooperativen, Agenten und Auktionatoren. Das Gesetz schreibt
dies vor. Ähnlich bürokratisch wirtschafteten früher die Kakaogenossenschaften
in der Elfenbeinküste. Unternehmen oder Kooperativen dienten in Afrika lange zur
Bereicherung von Beamten, kein Wunder, dass die Angst vorm Staat tief sitzt.
Yoshiyuki Sato ist ein erfolgreicher Geschäftsmann in Kenia. Er verarbeitet und
exportiert unter der Marke "Out of Africa" jährlich 1500 Tonnen der hochwertigen
Macademia-Nüsse in alle Welt, betreibt eine blitzsaubere Lebensmittelfabrik,
zahlt Steuern und sagt, dass er von der Regierung im Prinzip überhaupt nichts zu
erwarten habe - außer Unbill. "Erfolgreiche Unternehmer in Afrika müssen
unauffällig arbeiten und bescheiden sein", sagt Sato. "Keine lokalen
Presseberichte, keine Fernsehauftritte. Sonst ruft am nächsten Morgen ein
Minister an und will Anteile von uns haben. Oder er hat einen Bruder, der in
unser Management soll."
Die Weltbanktochter IFC hat einmal die bürokratischen Hürden innerhalb Afrikas
verglichen. Im "Musterland" Uganda könne man ein Unternehmen in 36 Tagen
anmelden, im Kongo aber brauche man dafür 215 Tage. In Botswana könne man in 56
Tagen die Klage auf Einhaltung eines Vertrages vor Gericht bringen, in Äthiopien
brauche man dafür drei Jahre. Verlässliche Rahmenbedingungen der Politik ist das
eine, ein Mindestmaß an Infrastruktur das andere. "Die große Herausforderung für
Afrika liegt in der Infrastruktur, sie ist das Herz der Volkswirtschaft. Der
Kontinent braucht Stromwerke, Straßen, Häfen, Schulen und eine touristische
Infrastruktur", meint Francisco Tourreilles von der IFC. Die Weltbank rechnet
damit, dass nur zehn Prozent Afrikas mit Elektrizität versorgt sind - eine hoch
angesetzte Zahl. Ein Land wie Tschad mit acht Millionen Einwohner hat eine
Stromkapazität von zwölf bis 20 Megawatt, das entspricht dem Bedarf einer
deutschen Kleinstadt mit 25 000 Einwohnern. Nur primitivstes Handwerk oder
Kleingewerbe können unter solchen Bedingungen gedeihen. Als der Ölkonzern Esso
200 Schweißer für seine Bohrtürme im Tschad suchte, fand er keinen einzigen,
sondern musste sie aus den Philippinen einfliegen lassen. Der Energiemangel gilt
kontinentalweit: Wegen der hohen Kosten und der fehlenden Infrastruktur können
nur sieben Prozent des Potenzials der Wasserkraft zur Stromerzeugung genutzt
werden.
Die negative Bilanz überdeckt Afrikas schlummernde Potenziale. "Sie haben hier
noch einen Reichtum an der Natur, wie in keinem anderen Kontinent", schwärmt
Saleem Karinjee, IFC-Repräsentant in Kenia. Die Reservoirs in der Landwirtschaft
seien immens, die Afrikaner seien "voller Unternehmergeist" und "enormem
Talent". Goldfunde in Tansania, Ölfunde an fast allen Ecken Afrikas versprechen
Einnahmen aus dem Export oder der Veredelung von Rohstoffen, wenn sie
transparent verwendet werden könnten. Vor allem ein Aufschwung des
Landwirtschaftssektors könnte der "Motor für Afrikas Entwicklung" sein, wie die
UN-Zeitschrift "African Recovery" schreibt. Von der Landwirtschaft lebt die
Mehrheit der Afrikaner. Bisher sind nur sieben Prozent der urbaren Fläche
bewässert, der Einsatz von Dünger ist marginal. Werden in den Industrieländern
pro Hektar 206 Kilogramm Dünger eingesetzt und in Südasien 100 Kilo, sind es in
den Staaten Afrikas südlich der Sahara nur neun Kilo pro Hektar.
Mit neuen Ideen könnte der lahmende Agrarsektor beflügelt werden, und für
Westafrika wird das am besten mit dem "Reiswunder" belegt. Mitte der neunziger
Jahre wurde vom "Afrikanische Reiszentrum" in der Elfenbeinküste die
ertragreiche und gegen Trockenheit unempfindliche Reissorte Nerica gezüchtet.
Inzwischen ist Nerica - eine Kreuzung afrikanischer und asiatischer Sorten - ein
Erfolgsmodell, es bringt zwei- bis dreifach höhere Erträge als herkömmlicher
Reis und tritt in vielen Ländern Westafrikas den Siegeszug an. Die Sorte Nerica
könnte sogar der Ausweg aus Afrikas "Hungerfalle" sein, glaubt jedenfalls
Richard Mkandawire vom Programm "Neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung".
Parallel zum Reiswunder gibt es in Ostafrika auch ein Düngewunder. So
unterstützt die Organisation "Farminput" im Westen Kenias Bauern, indem sie
ihnen preiswert Düngemittel für den Maisanbau zur Verfügung stellt. Auf dem
ausgelaugten Boden vollbringt der Dünger wahre Wunder. Die Bauern konnten ihre
Erträge auf das zehn- bis 20-fache steigern. Auch auf Gemüse- und Früchtebauern
ist das Programm ausgeweitet worden. Paul Seward von "Farminput" berichtet gerne
über ein besonders erfolgreiches Beispiel. Eine Bäuerin, die mit
Passionsfrüchten inzwischen Spitzenerträge erwirtschaftet, verkauft ihre Ernte
an einen internationalen Safthersteller und verdient damit pro Jahr 1100 Euro.
Gartenbau ist eines der wenigen Erfolgskapitel Afrikas. Der professionelle Anbau
von Gemüse und Blumen in riesigen Treibhäusern in Kenia für den Export mit
Flugzeugen nach Europa hat sich zum Beispiel zu einem regelrechten Schlager
entwickelt. Kenia gilt unter den Entwicklungsländern nach Marokko inzwischen als
der zweitgrößte Gemüselieferant der Europäischen Union und nach Kolumbien als
der zweitgrößte Blumenexporteur der Welt. Der Gartenbau beschert dem Land
immerhin 350 Millionen Dollar Exporterlöse und ist nach dem Tee wichtigster
Exportsektor geworden.
Quelle: Stuttgarter Zeitung
17.07.2004
Halbierung der
Armut in Afrika bis 2015 unmöglich

24.06.2002
Das Ziel der UN, die Armut in
Afrika bis 2015 zu halbieren, ist unrealistisch. Zu dieser Einschätzung kommt
Uschi Eid, Afrika-Expertin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und parlamentarische
Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, im
Interview mit dem "Greenpeace Magazin".
"Ich rechne eher damit,
dass es noch 50 oder 100 Jahre dauert", sagte die Grünen-Politikerin der
Hamburger Zeitschrift. Die "ambitionierte Zielvorgabe" der UN sei
lediglich "Ansporn, damit sich die Staatengemeinschaft jetzt zu einer
gemeinsamen Kraftanstrengung aufrafft". Bei der G-8-Gipfelkonferenz am 26. und
27. Juni im kanadischen Kananaskis wollen sich die Staats- und Regierungschefs
auch mit der Lage Afrikas befassen.
Von den 670 Millionen Afrikanern
südlich der Sahara leben 30 Prozent unter der Armutsgrenze von einem
US-Dollar pro Tag und Kopf. Die Industrienationen müssten ihre
Entwicklungshilfe auf mindestens 0,7 Prozent des Bruttosozialproduktes
aufstocken, um die Armut in Afrika zu halbieren, errechnete die Weltbank. So
viel Geld stehe zurzeit jedoch nicht zur Verfügung, sagte Uschi Eid, die sich
dafür einsetzt, das Menschenrecht auf Nahrung weltweit umzusetzen.
Die rot-grüne Regierung habe
allerdings den Abwärtstrend der Entwicklungshilfe gestoppt. Von 0,48
Prozent des Bruttosozialprodukts 1982 sei unter Bundeskanzler Helmut Kohl noch
0,26 Prozent geblieben. Zurzeit gibt Deutschland 0,27 Prozent des
Bruttosozialproduktes für die Entwicklungshilfe aus. Bis 2006 sollen es 0,33
Prozent sein, sagte Eid. Wichtiger sei jedoch, die Agrarsubventionen abzubauen,
um die europäischen Märkte für die Produkte aus den ärmsten Ländern zu öffnen.
Das bringe "viel mehr als eine noch so üppige Erhöhung im Haushalt des
Ministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit".
Gerechter
Welthandel beginnt an der Ladentheke
Bundesumweltminister Jürgen
Trittin hat begrüßt, dass der Handel zunehmend fair gehandelte und
ökologisch erzeugte Produkte aus der Dritten Welt anbietet. "Verbraucher können
durch ihr Einkaufsverhalten konkret zu mehr Fairness im Handel, zu gerechter
Bezahlung von Menschen und zum Schutz der Umwelt in der Dritten Welt beitragen",
sagte der Minister bei der Präsentation eines Warenkorbs mit fair gehandelten
Produkten. "Der Kampf gegen die Armut ist eine wichtige Voraussetzung für einen
effektiven Umweltschutz", sagte Trittin.
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Mal was zum
Nachdenken
Armut und
Reichtum
Wenn die drei reichsten
Männer der Erde ein Vermögen besitzen, das dem Bruttosozialprodukt von etwa 50
Ländern entspricht, dann besteht ein gravierendes Missverhältnis. Wenn
Zwangsarbeit, Kinderarbeit und Umweltraubbau zur Begleiterscheinung des
Weltmarktes werden, kann niemand behaupten, der Markt regle alles zum besten.
Die Gesellschaft hat ein Anrecht auf Regeln, die auch das globalisierte Kapital
zu befolgen hat. Solche Regeln zu entwickeln und durchzusetzen ‑ das ist die
Herausforderung für alle Länder und Regierungen.
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Weltbevölkerung
Wenn man die
Weltbevölkerung auf ein 100 Seelen zählendes Dorf reduzieren könnte und dabei
die Proportionen aller auf der Erde lebenden Völker beibehalten würde, wäre
dieses Dorf folgendermaßen zusammengesetzt:
61 Asiaten
11 Europäer
9 Lateinamerikaner (Zentral‑ und Südamerika)
5 Nordamerikaner
14 Afrikaner
29 wären Kinder unter 15 Jahren
7 Dorfbewohner wären älter als 65
50 Menschen im Dorf sind Männer, 50 sind Frauen
Im Durchschnitt bekämen die Frauen 3 Kinder
von den 26 Frauen, die zwischen 15 und 49 Jahre alt sind und in einer
Partnerschaft leben, wenden 14 eine moderne Verhütungsmethode an.
Jedes Jahr würden zwei Babys geboren und ein Dorfbewohner sterben.
Die Zahl der Dorfbewohner würde jährlich um etwa eine Person steigen.
Im Jahr 2050 würden bereits 143 Menschen im dem Dorf leben.
19 Dorfbewohner müssten von weniger als 1 US-Dollar pro Tag leben.
12 Menschen würden unter Wasserknappheit leiden.
(aus dem DSW-Datenreport 2005 zur
Weltbevölkerung / Quelle: SüdZeit Oktober 2005)
Es gäbe:
30 Weiße und 70 Nicht-Weiße
30 Christen und 70 Nicht-Christen
89 Heterosexuelle
und 11 Homosexuelle
6 Personen besäßen 59% des
gesamten Reichtums und alle 6 kämen aus den USA,
80 lebten in maroden Häusern,
70 wären Analphabeten,
50 würden an Unterernährung
leiden, 1 wäre dabei zu sterben, 1 wäre dabei geboren zu
werden.
1 besäße einen Computer, 1 (ja, nur einer) hätte einen
Universitätsabschluss.
Wenn man die Welt auf diese
Weise betrachtet, wird das Bedürfnis nach Akzeptanz und Verständnis
offensichtlich. Du solltest auch folgendes bedenken:
* Wenn du heute morgen
aufgestanden bist und eher gesund als krank warst hast du ein besseres Los
gezogen als die Millionen Menschen, die die
nächste Woche nicht mehr erleben
werden.
* Wenn du noch nicht in der
Gefahr einer Schlacht, in der Einsamkeit der Gefangenschaft, im Todeskampf der
Folterung oder im Schraubstock des
Hungers warst, geht es dir besser als 500
Millionen Menschen.
* Wenn du zur Kirche
gehen kannst ohne Angst haben zu müssen bedroht, gefoltert oder getötet zu
werden, hast du mehr Glück als 3 Milliarden
Menschen.
* Wenn du Essen im
Kühlschrank, Kleider am Leib, ein Dach über dem Kopf und einen Platz zum
Schlafen hast, bist du reicher als 75% der
Menschen dieser Erde.
* Wenn du Geld auf der Bank,
in Deinem Portemonnaie und im Sparschwein hast, gehörst du zu den
Privilegiertesten 8% dieser Welt.
* Wenn deine Eltern noch
leben und immer noch verheiratet sind, bist du schon wahrlich eine Rarität.
* Wenn du diese Nachricht
erhältst, bist du direkt zweifach gesegnet: Zum einen weil jemand an dich
gedacht hat, und zum anderen weil du nicht zu
den zwei Millionen Menschen gehörst,
die nicht lesen können.
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2005 – das UNO-Jahr der
Kleinstkredite
Quelle: Oikocredit Info 2/2004
„Finanzdienstleistungen für alle Menschen“
Unter diesem Motto haben die Vereinten
Nationen 2005 zum internationalen Jahr der Kleinstkredite erklärt. Bis zur
offiziellen Eröffnung am 18. November in New York plant nicht nur die UNO viele
Aktivitäten. Auch Oikocredit trifft Vorbereitungen. Die Anstrengungen der UNO
zur Etablierung von Kleinstkrediten bieten für Oikocredit viele Gelegenheiten,
neue Netzwerke zu finden, Diskussionen zu veranstalten und neue Anlegerinnen zu
interessieren. Ein konkretes Ziel von Oikocredit für 2005 ist, 2.005 neue
Anlegerinnen zu finden.
„Das internationale Jahr der Kleinstkredite
2005 unterstreicht die Bedeutung
der Mikrofinanz als festen Bestandteil
unserer kollektiven Anstrengungen, die Millennium-Entwicklungsziele zu erreichen. Wir sind gefordert, gegen
den Ausschluss vieler Menschen vom vollen Zugang zu Finanzdiensten
vorzugehen. Zusammen können und müssen wir
Finanzdienstleistungen für alle Menschen schaffen, die ihre
Lebensbedingungen verbessern,” erklärte
UNO-Generalsekretär Kofi Annan im Dezember letzten Jahres. Außerdem wird
in den Zielsetzungen des UNO-Jahres der Kleinstkredite eines der
wichtigsten Ziele der „Microcredit Summit
Campaign” unterstützt, bis Ende 2005 weltweit 100 Millionen Menschen mit
Mikrokrediten zu erreichen.
Kampagne
2005
Oikocredit hat vor 30 Jahren mit echter Pionierarbeit
in der Entwicklungsfinanzierung begonnen und inzwischen über 60 Millionen
Euro in Mikrofinanzinstitute (MFI)
investiert. Heute ist Oikocredit einer
der größten, wenn nicht der größte,
private Finanzier im Mikrofinanz-Sektor. Das UNO-Jahr der Kleinstkredite
bietet Oikocredit eine einzigartige
Gelegenheit, sich noch stärker
als ausgewiesen erfahrener
und zuverlässiger
Mikrofinanz-Partner zu profilieren.
Ein Ziel der Oikocredit-Kampagne
2005 ist es, 2.005 neue Investorinnen für Oikocredit zu finden,
500 mehr als in einem normalen Jahr. Genauso
wichtig sind aber Erfahrungsaustausch, die
Vertiefung von Kenntnissen und die
Entwicklung neuer Strategien. Mit
einer Reihe von Veranstaltungen in allen Ländern, in denen wir aktiv
sind, unterstützt durch Pressekontakte und
entsprechende Veröffentlichungen, wollen wir diese Ziele erreichen. Im
Jahr 2005 werden wir viele
Erfolgsgeschichten aus dem Leben von Menschen hören, die sich durch
Kleinstkredite vom Joch der Armut befreien konnten. Es wird aber auch Raum für
konstruktive Kritik und Reflexion geben, damit die Wirksamkeit
von Mikrokrediten weiter verbessert werden
kann. Oikocredit kann durch sein langjähriges Engagement
in diesem Bereich
hier viel beitragen. Wichtige
Diskussionspunkte sind: Erreichen die
verfügbaren Mittel die richtigen MFI? Werden
die MFI ihrem
Ziel gerecht, Erwerbsaktivitäten von
Kleinstunternehmen zu
finanzieren? Sind die Zinssätze
angemessen, die die Geldgeber von
den MFI und die
MFI von ihrer Kundschaft verlangen? Wie können
Geldgeber und Entwicklungsorganisationen
effektiv zusammenarbeiten?
Internationales Mikrokredit-Symposium
In diesem Sinne wird Oikocredit am Freitag, dem 10. Juni
2005, in Bonn ein internationales
Mikrokredit-Symposium veranstalten. Wir erwarten dazu ein
internationales Publikum von mehr als 1.000
Personen, die im ehemaligen deutschen Bundestag das Für und
Wider
der heute in aller Welt praktizierten
Mikrofinanz diskutieren werden. Im Jahr
2005 feiert Oikocredit außerdem
sein 30-jähriges Bestehen. Mit
Unterstützung des gesamten internationalen Netzes der Förderkreise und
anderen Mitglieder sowie der Regionalstellen und unserer Geschäftspartnerinnen
werden wir im Herbst 2005
einen internationalen Oikocredit-Sonntag
organisieren, an dem sich
2.005 Kirchengemeinden in aller
Welt beteiligen, indem sie Oikocredit
zum
Thema
ihrer Messen bzw. Gottesdienste
machen, und den Auftrag sowie 30 Jahre erfolgreicher Arbeit zur Finanzierung
fairer Geschäftschancen für unterprivilegierte Menschen feiern.
Iris Kleynen, Öffentlichkeitsreferentin
Fünf Kernziele für das Jahr der Mikrokredite
sollen Mitgliedstaaten, UNO-Agenturen und Mikrofinanzpartner in ihren
gemeinsamen Anstrengungen zusammenbringen, nachhaltige Finanzsysteme für alle
Menschen aufzubauen, um die Millenium-Entwicklungsziele zu erreichen:
●
Bewertung und Förderung des Beitrags der Mikrofinanz
zu den Millenium-Entwicklungszielen
●
Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Mikrofinanz
als entscheidenden Bestandteil des Entwicklungsprozesses
●
Förderung von Finanzsystemen für alle Menschen
●
Förderung eines nachhaltigen Zugangs zu
Mikrofinanzdiensten und
● Unterstützung von
Innovation und neuen Partnerschaften.
Das System der Kleinstkredite
Stuttgarter Zeitung 9.7.2005
So genannte Klein- oder
Mikrokredite sind mittlerweile ein wichtiges Instrument zur Armutsbekämpfung
in Entwicklungsländern. Sie sollen denjenigen die Chance zum Start eines
Kleinunternehmens ermöglichen, die wegen ihres geringen Einkommens von Banken
kein Geld bekommen. Die kleinen Darlehen zwischen 50 und 500 Euro werden ohne
große Sicherheiten und mit minimalem Verwaltungsaufwand vergeben. Die UNO hat
das Jahr 2005 zum Jahr der Kleinkredite ausgerufen.
Vorzeigeprojekt dieser Bewegung ist die Grameen-Bank in Bangladesch, die 1976
vom Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus mit internationaler Unterstützung
gegründet wurde. Sie hat heute über drei Millionen Kunden mit durchschnittlich
180 Dollar Kreditsumme. Die 12 000 Bankangestellten sind in 44 000 Dörfern
Bangladeschs aktiv. Sie vergeben Darlehen von jährlich rund einer halben
Milliarde Dollar. Zu den Kreditnehmern zählen überproportional viele Frauen. Die
Rückzahlungsmoral ist den Angaben der Bank zufolge sehr hoch und liegt bei über
90 Prozent.
Deutschland unterstützt als einer er größten Geberländer den Aufbau des
Kleinkreditsystems. Im Auftrag des Entwicklungsministeriums vergeben
beispielsweise KfW Entwicklungsbank oder die Deutsche Investitions- und
Entwicklungsgesellschaft (DEG) Kredite zur Absicherung von
Mikrofinanzorganisationen oder übernehmen Beteiligungen. Auch
Nichtregierungsorganisationen, gemeinnützige Stiftungen des Bankensektors und
Bankenverbände engagieren sich. 2004 hat Deutschland den Bereich der
Mikrofinanzierung laut Entwicklungsministerium mit 109 Millionen Euro
unterstützt.
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Muhammad Yunus erhält in Oslo den
Friedensnobelpreis
"Mit Mikrokrediten die Armut ins
Museum verbannen" Köln, 8. Dezember 2006
Am
Sonntag, den 10. Dezember 2006, erhielten Muhammad Yunus und die
Institution, die er vor 30 Jahren gegründet hat, in Oslo den
Friedensnobelpreis. Der Wirtschaftswissenschaftler aus Bangladesch ist
vielen als "Bankier für die Armen" bekannt. Er startete seinen Weg zur
Gründung der Grameen Bank im Jahre 1976 mit einem Kredit aus eigener
Tasche. Er gab 42 hoffnungslos armen Menschen in Bangladesch einen Kredit
von insgesamt 27 US-Dollar, also weniger als 1 Dollar pro Person. Unter
ihnen war eine Frau, die Bambushocker herstellte. Sie erzielte damit einen
Gewinn von lediglich 2 Pennies pro Tag. Mit dem Kredit von Prof. Yunus war
die Frau nunmehr in der Lage, ihr Produkt an den Meistbietenden zu
verkaufen und ihr Gewinn schnellte in die Höhe, von zwei Pennies auf 1,25
US-Dollar täglich. ...............
Oikocredit
gratuliert Muhammad Yunus
Kleinkredite als erfolgreicher Weg aus der Armut
anerkannt
Die Ökumenische Entwicklungsgenossenschaft
Oikocredit freut sich über die Verleihung des Friedens-Nobelpreises
an Professor Muhammad Yunus, den “Erfinder” der Mikrokredite. Für
Oikocredit, weltweit führend in der Finanzierung von
Mikrokredit-Institutionen, wird damit die Mikrofinanz-Idee als
erfolgreicher Weg zur Überwindung der globalen Armut gewürdigt.
“Doch Muhammad Yunus hätte für seine 30jährige Pionierarbeit
eigentlich den Wirtschafts-Nobelpreis verdient”, kommentiert Tor G.
Gull, Managing Director von Oikocredit.
..................
Weitere Informationen unter:
http://www.oikocredit.org
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2005:
UN-Jahr der Kleinstkredite
Wege
aus der Armutsfalle
Auf dem Markt von
Davao City auf den Philippinen gilt bei den privaten Geldverleihern das 5/6
Prinzip: Wer 500 Pesos leiht, muss nach einem Monat 600 Pesos zurückzahlen. Ein
Zinssatz von
20 %
pro Monat!
Vielen ist es
unmöglich, die Schulden bei den Kredithaien zu
tilgen.
Da sie keine andere
Möglichkeit haben Geld zu
leihen,
geraten sie, wie
viele Menschen in Entwicklungsländern, in immer größere
Abhängigkeit
und Armut.
Kleinstkredite
bieten einen
Ausweg aus dieser
Situation.
Kleinstkredite
zu fairen Konditionen
helfen
Menschen in armen Ländern, aus der Armut auszubrechen. Darlehen
zwischen
50 und 500 Euro geben
ihnen ein Werkzeug an die Hand,
mit
dem sie eigene
Geschäftsbetriebe
aufbauen
und nachhaltige
Zukunftschancen für ihre Familien schaffen können.
Schlüssel für die Zukunft
Kleinstkredite
befähigen Menschen, darunter viele
Frauen,
zum Aufbau von
Kleinunternehmen. Die Nutzerinnen von Kleinstkrediten haben immer
wieder
bewiesen, dass
sie in
der Lage sind, ihre
Darlehen
zurückzuzahlen.
Die Rückzahlungsquote
liegt in der
Regel
bei
98
%.
Für Kredite werden
von
den
Banken Sicherheiten
gefordert,
die
benachteiligte
Menschen meist
nicht
leisten
können. Daher
vergeben
Mikrofinanzinstitutionen
oft Darlehen
an
Gruppen, deren
Mitglieder gemeinsam
die
Verantwortung
für die pünktliche Rückzahlung der
Kredite tragen.
Kleinstkredite sind
kein Allheilmittel gegen die Armut. Wirkliche
Fortschritte in
der
Armutsbekämpfung
sind
nur möglich
durch
Mikrofinanzprogramme, die
Kredite in
Kombination
mit Sparkonten oder auch Versicherungen anbieten. Dabei
ist
auch
der
Kleinstkredit
nur
ein Element
im Rahmen einer
umfassenden
Entwicklungsförderung, die
Bildung, technische
Unterstützung
und gerechte wirtschaftliche Bedingungen einschließt.
Entwicklung finanzieren
Durch seine einheimischen Fachkräfte in allen Teilen der Welt hat Oikocredit
Erfahrungen
aus
erster
Hand mit
den
lokalen
Gegebenheiten.
Die
räumliche Nähe
ermöglicht es Oikocredit, nicht nur Zielgruppen
in den
Städten, sondern auch
gerade benachteiligte Menschen auf dem Land zu erreichen, die sonst
vom
Zugang zu
Kreditkapital
ausgeschlossen wären.
Oikocredit finanziert Mikrofinanzinstitutionen
in
Städten und
ländlichen Regionen und bietet
ihnen
eine langfristig
verlässliche Finanzierungsquelle. Durch die Bereitstellung von Krediten
in
Landeswährung trägt
Oikocredit zusammen
mit
den
Mikrofinanz-Partnern
in vielen
Fällen
das
Risiko von
Währungsschwankungen bei der
Rückzahlung.
Dadurch haben die
Kreditnehmerinnen vor Ort
faire Konditionen für
ihre
Kleinstkredite und
bestmöglichen Service.
In
Menschen investieren
Oikocredit
ist
einer der weltweit
größten mit
Privatkapital
arbeitenden Investoren für Kleinstkredite.
In
die Ökumenische
Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit investieren
heute
über 23.000
Anlegerinnen, Kirchen, Einzelpersonen, Fairhandels- und
Entwicklungsorganisationen sowie reguläre Banken mit einem Anteilskapital
von
200 Millionen
Euro. Damit werden
weltweit
Kredite für
Genossenschaften,
kleine und
mittelständische
Unternehmen und Basisprojekte
finanziert.
Oikocredit investiert
über
65
Millionen
Euro in mehr als 170
Mikrofinanzinstitutionen in
Lateinamerika,
Afrika, Asien und Osteuropa, um
den einzelnen
Menschen zur
Selbsthilfe zu befähigen.
Oikocredit
bietet seinen Anlegerinnen einen hohen sozialen Gewinn
und
stabile finanzielle
Erträge. Wer Geld bei Oikocredit
anlegt,
weiß, dass
seine Anlage
wirkungsvoll
in
die
Schaffung
nachhaltiger
Verdienstquellen für
Familien und Gemeinschaften investiert wird.
Zwei
Beispiele für gezielte Förderung:

Philippinen: Stand auf dem Wochenmarkt mit Hilfe von Kleinkrediten
è
Ein Kleinkredit von Oikocredit hat Gilda Ponte geholfen, ihren kleinen Stand
auf den Märkten von Davao City auszubauen.
ç
Bolivien:
Gemüseverkauf mit Hilfe von Kleinkrediten
Alicia
Fernandez Viuda de Charez verkauft Gemüse auf dem Markt in La
Paz.
Oikocredit hat mit einem Darlehen geholfen.
Fair handeln mit Geld - Armut überwinden, Entwicklung fördern - Oikocredit
Entwicklung braucht Kredit
»Spenden machen müde, Kredite fördern die Eigeninitiative«,
sagt Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. Die Anerkennung als
Geschäftspartner stärkt das Selbstbewusstsein. Faire Kredite bieten mehr als
Geld. Sie schaffen Vertrauen und geben Impulse, um das Leben zu verändern, hin
zu weniger Armut, mehr Arbeit, Bildung, medizinischer Versorgung, Renten- und
Versicherungssystemen, Wohnungsbau und Umweltschutz.
Muhammad Yunus und Oikocredit sind langjährige Weggefährten. Sie vergaben schon
Mikrokredite, bevor der Begriff überhaupt existierte. Die kleinen Darlehen mit
der großen Wirkung haben sich als effiziente Entwicklungsförderung erwiesen, vor
allem für Frauen.
Oikocredit vergibt rund zwei Drittel ihrer Darlehen an Mikrofinanzinstitutionen.
Diese bieten neben Krediten auch andere Finanzdienstleistungen,
Geschäftsberatung und Fortbildung an.
Faire Kredite für Arme: Eine sichere
Anlage
Arme Menschen sind zuverlässige Kreditnehmer. Trotz
Wirtschaftskrisen, Korruption und Naturkatastrophen liegt die Rückzahlungsquote
der OikocreditDarlehen seit Jahren über 90 Prozent. Eine Quote, von der viele
Banken nur träumen können.
Die angeblich »nicht bankfähigen« Menschen beweisen. dass sie zuverlässige und
erfolgreiche Geschäftspartner sind. Sie verdienen Vertrauen. Sie verdienen
unseren Kredit.
... mit doppeltem Gewinn
Sie können sich als Einzelperson, Organisation oder Gemeinde bei
Oikocredit beteiligen, indem Sie Anteile ab 200 Euro erwerben. Ihre Einlage wird
treuhänderisch verwaltet und bei Bedarf wieder zurückgezahlt. Informationen zu
Risiken, Rückzahlungen und zur Dividende sind im Prospekt zu finden (www.oikocredit.org/sa/dachs).
Die Dividende beträgt in der Regel zwei Prozent pro Jahr. Hinzu kommt der
soziale Gewinn: Ein besseres Leben für viele Menschen und ein Schritt auf dem
Weg zu einer gerechteren Welt.
Auf dem Weg in ein besseres
Jahrtausend
Sauberes Trinkwasser, ausreichende Ernährung, ein menschenwürdiges
Leben für alle: Diese andere Welt ist möglich. Tatsächlich aber sind viele
Länder immer noch geprägt von Hunger und Armut. Die Vereinten Nationen setzen
sich tatkräftig für eine Veränderung ein. Sie beschlossen die
MillenniumEntwicklungsziele bis 2015: Hunger, Armut, Krankheiten und
Analphabetismus sollen überwunden, die Umwelt geschützt und die Frauen
gleichgestellt werden. Die reichen Nationen wollen eine weltweite
Entwicklungspartnerschaft aufbauen und armen Ländern eine faire Chance auf dem
Weltmarkt einräumen.
Oikocredit und der Faire Handel arbeiten seit Jahrzehnten für eine gerechtere
Weltwirtschaft – bei bemerkenswerter Beitrag zur Überwindung der Armut und für
die Millenniumsziele.
Durch Fairness aus der Armut
Mehr als eine Million Menschen in Entwicklungsgebieten profitieren
heute vom Fairen Handel. Mit ihren Familien sind dies rund fünf Millionen
Personen. Der Faire Handel verbessert den Absatz und die Erträge ihrer
Erzeugnisse. Wer hier faire Produkte kauft, fördert dort Umweltschutz, Bildung
und Gesundheitsprojekte und damit nachhaltige Entwicklung. Ein wichtiges Zeichen
gegen die Ungerechtigkeit des globalen Welthandels.
Sie helfen direkt: Mit dem Kauf fair gehandelter Produkte in Weltläden oder
Einkaufszentren schaffen Sie für Kleinproduzenten einen sinnvollen Zugang zum
Weltmarkt.
Handeln Sie fair mit Ihrem Geld
Auch wenn Sie Kleidung, Teppiche, Fußbälle oder Blumen kaufen, können
Sie verantwortungsvoll konsumieren. Wurden die Produkte ohne Kinderarbeit, unter
menschenwürdigen
Arbeitsbedingungen und umweltverträglich hergestellt?
Fragen Sie auch nach ethischen Kriterien, wenn Sie Geld investieren. Oikocredit
bietet Ihnen die Möglichkeit, Geld für eine gerechtere Welt anzulegen.
In Menschen investieren
Arme Menschen haben keinen Kredit. Jedenfalls nicht bei gewöhnlichen
Banken. Oikocredit dagegen gewährt Benachteiligten Zugang zu Kapital durch die
Förderung von Mikrofinanz-Programmen, Genossenschaften und kleinen Unternehmen
in Entwicklungsgebieten. Millionen von Menschen profitieren weltweit von diesen
langfristigen Darlehen, die mithelfen, eine Existenz
aufzubauen. Ende 2006 hat Oikocredit Darlehen über 264 Mio. Euro bewilligt.
Fairer Handel und Faire Kredite
ergänzen sich gut
Weniger Armut und eine gerechtere Weltwirtschaft: Diese Ziele verbinden
Oikocredit und den Fairen Handel. Der Faire Handel garantiert Preise und
langfristige Lieferverträge. Oikocredit bringt Kapital in Unternehmen, die
damit Arbeit und Zukunft schaffen.
30 Oikocredit-Darlehen gehen zur Zeit direkt in den Fairen Handel. Als Kredite
für Transport- und Lagerkapazitäten, Produktionsanlagen oder an
Fair-Handels-Partner wie El Puente oder dwp in Deutschland, Gebana in der
Schweiz, De Evenaar in den Niederlanden oder Altemativa 3 in Spanien.
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Für ein friedliches Miteinander
Religionsgemeinschaften machen sich für ein friedliches und aktives Miteinander
in Stuttgart stark
Manifest für ein friedliches Miteinander der Religionen am 9. November 2004
unterzeichnet
Führende Mitglieder verschiedener Stuttgarter Religionsgemeinschaften haben sich
vor über einem Jahr zu einem Runden Tisch der Religionen in Stuttgart
zusammengefunden. Ein wesentliches Ziel der von Oberbürgermeister Dr. Wolfgang
Schuster initiierten Einrichtung ist, Missverständnissen und Konflikten unter
religiösen Vorzeichen in Stuttgart vorzubeugen. Aus diesem Grund hat der Runde
Tisch ein "Manifest für ein friedliches und aktives Miteinander der Religionen
erarbeitet", das einen Verhaltenskodex für den Fall von Konfliktsituationen
anbietet.
Der
Text des Manifestes ist in den letzten Wochen an die Religionsgemeinschaften in
Stuttgart weitergeleitet worden. Damit verbunden war die Bitte, sich durch eine
Unterschrift an dem Appell für ein friedliches Zusammenleben zu beteiligen. Die
Unterzeichnung des Manifestes durch 23 Religionsgemeinschaften fand am Dienstag,
9. November, um 12 Uhr im Dürnitz-Saal des Alten Schlosses statt. Vor der
Unterzeichnung sprachen die Vertreter der Religionsgemeinschaften Friedensgebete
oder trugen Texte aus ihren religiösen Schriften vor.
Runder Tisch der Religionen in
Stuttgart stellt sich der Öffentlichkeit vor.
In
Stuttgart leben Menschen aus 170 Nationen mit mehr als 100 Sprachen und einer
Vielzahl von Religionen, Glaubensüberzeugungen und Heilserwartungen.
Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster hat am 22. Oktober des vergangenen
Jahres führende Mitglieder großer Stuttgarter Religionsgemeinschaften zu einem
"Runden Tisch der Religionen in Stuttgart" eingeladen.
Dabei
versteht sich der Runde Tisch nicht als Konkurrenz für bereits bestehende
multireligiöse Dialogforen oder Gruppen an der Basis. Er soll vielmehr ein Kreis
sein, der sich mit Fragen befasst, die direkt das Zusammenleben der
Religionsgemeinschaften untereinander und das Leben der Religionsgemeinschaften
in der Großstadt betreffen.
Schuster: "Ich bin den Mitglieder des Runden Tisches sehr dankbar, dass sie
meine Initiative aufgegriffen haben. Wir arbeiten konstruktiv und fruchtbar
zusammen. Damit wollen wir möglichen Missverständnissen und Konflikten unter
religiösen Vorzeichen vorbeugen." Gleichzeitig will der Runde Tisch auch den
Austausch von Informationen zu anstehenden Fragen und aktuellen Problemen
einzelner Gemeinschaften ermöglichen.
Die
vertretenen Religionsgemeinschaften geben also keine ihrer eigenen Kompetenzen
und Rechte für ihre eigene Organisation an den Kreis ab. Der Kreis mischt sich
nicht in die internen Belange einzelner Religionen ein und kann nicht für oder
über einzelne Religionsgemeinschaften Beschlüsse fassen.
Mittlerweile wurde in weiteren Sitzungen des Runden Tisches ein "Manifest für
ein friedliches und aktives Miteinander der Religionen in Stuttgart" erarbeitet,
das der Oberbürgermeister gemeinsam mit den Teilnehmern des Runden Tisches der
Religionen in Stuttgart am Montag, 30. August, der Öffentlichkeit vorstellte:
|
Prälat Michael Brock (Katholische Kirche in Stuttgart), |
Dr. Ferid
Kugic (Bosnische Islamische Gemeinschaft), |
|
Stadtdekan Hans-Peter Ehrlich (Evangelische Kirche in Stuttgart),
|
Dr. Haleh
Sabet (Der Geistige Rat der Baha'i) und |
|
Sami Ercan (Türkisch-Islamische Union D.I.T.I.B.), |
Barbara
Traub |
|
Martina Künstner (Buddha-Haus e.V. Stuttgart), |
(Sprecherin des Vorstandes der
Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs) |
Der
Runde Tisch will damit einen Verhaltenskodex für konkrete Ernstfälle anbieten,
um zu vermeiden, dass Gespräche und Kontakte dann bei "Null" anfangen müssen.
Schuster: "Ich würde mir wünschen, dass dieser Verhaltenskodex in den einzelnen
Gemeinden an die Basis transportiert wird."
In den
nächsten Wochen soll der Text daher in die Gremien der Teilnehmer des Runden
Tisches sowie an alle anderen Religionsgemeinschaften in Stuttgart gegeben
werden mit der Bitte und dem Angebot, sich durch eine Unterschrift an dem Appell
für ein friedliches Zusammenleben zu beteiligen.
Diese Unterzeichnung des Manifests
durch alle hierzu bereiten Religionsgemeinschaften ist für den 9. November 2004
im Rathaus vorgesehen. Sie soll mit einem gemeinsamen Friedensgebet verbunden
werden.
Manifest für ein friedliches und aktives Miteinander der
Religionen in Stuttgart
Stuttgart, eine internationale Stadt
Unsere
Stadt ist eine internationale Stadt und wird im 21. Jahrhundert noch
internationaler werden. Durch die zunehmende Globalisierung werden die Grenzen
immer mehr geöffnet für Warenhandel, Dienstleistungen, Informationen,
Finanzströme und den wissenschaftlichen Austausch sowie für kulturelle
Kooperationen. Ebenso überwinden immer mehr Menschen aus aller Welt mit ihren
Kulturen und Religionen die Grenzen ihres jeweiligen Kulturkreises. Der Großraum
Stuttgart, eine der stärksten Hightech- und Exportregionen Europas, wird
besonders stark von der Globalisierung erfasst werden.
Heute leben Menschen aus über 170
Nationen in Stuttgart; sie sprechen mehr als 100 Sprachen. Diese Vielfalt
zeichnet unsere Stadt aus. Jeder vierte Stuttgarter ist in die Landeshauptstadt
zugewandert oder stammt von Zuwanderern ab. Stuttgart kann als eine Art
Mikrokosmos der Vereinten Nationen im Kraftfeld von Internationalität und
Integration gesehen werden.
Viele
Initiativen, die Kirchen und Religionsgemeinschaften und ihre Einrichtungen
sowie gute Nachbarschaft haben in der Vergangenheit bewirkt, dass in Stuttgart
die Menschen friedlich zusammen leben und unsere Stadt heute die sicherste
Großstadt in Deutschland ist. Auch das "Bündnis für Integration", zu dem unter
anderem das "Forum der Kulturen" gehört, trägt mit vielen Dialogforen und
Integrationsangeboten zu einem guten Miteinander bei.
Dieses friedliche und hilfreiche Miteinander weiter zu entwickeln und zu
sichern, sehen wir als unsere gemeinsame Aufgabe an. Insbesondere sehen wir eine
mögliche Gefährdung für das Zusammenleben in Stuttgart, wenn wirtschaftliche
Schwierigkeiten und der Verlust von Arbeitsplätzen und Ausbildungsplätzen für
junge Leute die soziale Balance gefährden.
Vor
allem sehen wir eine Gefahr darin, dass religiöse Überzeugungen mit radikalem
Fundamentalismus durchsetzt und soziale Unzufriedenheit im Namen einer Religion
auch unter Menschen mit einem Migrationsschicksal geschürt und für politische
Zwecke missbraucht werden. Dieser Gefahr möchten wir entgegen wirken.
Der Runde Tisch der Religionen
Alle
Bürgerinnen und Bürger Stuttgarts fordern wir auf, an der gemeinsamen
Verantwortung für ein gedeihliches und friedvolles Zusammenleben der Menschen in
unserer Stadt teil zu haben. Dazu gehören das tolerante Miteinander, das
Akzeptieren fremder Sitten und Bräuche und vor allem der Respekt vor den
religiösen Überzeugungen anderer. Der Runde Tisch der Religionen in Stuttgart
sieht deshalb für die Religionsgemeinschaften in unserer Stadt eine besondere
Verantwortung für das Zusammenleben aller.
In
allen Religionen gibt es die Aufforderung zur Mitmenschlichkeit und zum Frieden,
zur Achtung der Würde des einzelnen Menschen und zur Bewahrung der Schöpfung.
Die gemeinsame Botschaft des Friedens, der Toleranz und der gegenseitigen
Achtung zu fördern und auch in unserer Stadt wirksam werden zu lassen, ist die
wesentliche Aufgabe des Runden Tisches der Religionen.
Dem
dienen der Dialog der Religionsgemeinschaften über Sitten, Gebräuche und
Traditionen, die Möglichkeit einander in Gottesdiensten zu besuchen und
vielfältige Begegnungen, um einander besser kennen zu lernen und mögliche
Vorurteile abzubauen. Dazu gehört auch die Überzeugung, dass möglichen
Gefährdungen unseres Miteinanders der Nationen und Religionen präventiv begegnet
werden soll.
Für ein friedliches
Miteinander der Religionen in Stuttgart
Die
Unterzeichnenden dieses Manifests sind sich darin einig, dass sich Stuttgart als
eine internationale Stadt friedlich und qualitätsvoll entwickeln soll. Die
Vielfalt der Sprachen, Kulturen und Religionen gehören zum Reichtum unserer
Stadt. Ihn müssen wir erhalten. Dazu wollen die Religionsgemeinschaften in
Stuttgart beitragen.
Die
Religionsgemeinschaften setzen sich deshalb dafür ein,
-
dass Konflikte grundsätzlich
gewaltfrei gelöst werden.
-
dass eine Religion niemals
zur Rechtfertigung von Gewalt dienen kann.
-
dass eine Religion nicht für
politische Zwecke missbraucht werden darf.
-
dass die
Religionsgemeinschaften für gegenseitigen Respekt und Toleranz werben.
-
dass die
Religionsgemeinschaften aktiv unseren demokratischen Rechtsstaat unterstützen,
damit jede Form von Extremismus und Fundamentalismus, Nationalismus oder
andere menschenverachtende Ideologien keine Chance in Stuttgart haben.
-
dass die
Religionsgemeinschaften Begegnungen und Dialoge organisieren.
-
dass die
Religionsgemeinschaften mithelfen, eine bessere Chancengerechtigkeit zu
ermöglichen, zum Beispiel in der Schule, am Arbeitsplatz und im Alltag, und so
die Integration in unserer Gesellschaft erleichtern und fördern.
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Global Marshall Plan
Was ist der Global Marshall
Plan?
Der Global Marshall Plan hat als Ziel eine „Welt in Balance”. Dies erfordert
eine bessere Gestaltung der Globalisierung und der weltökonomischen Prozesse:
eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft. Es geht um einen besseren weltweiten
Ordnungsrahmen, eine nachhaltige Entwicklung, die Überwindung der Armut, den
Schutz der Umwelt, Gerechtigkeit und in der Folge ein neues
Weltwirtschaftswunder.

Der Global Marshall Plan umfasst insbesondere die folgenden fünf Kernziele:
1.
Durchsetzung der weltweit vereinbarten Millenniumsziele der Vereinten Nationen
bis zum Jahr 2015
2. Aufbringung der zur Erreichung der Millenniumsziele zusätzlich erforderlichen
100 Mrd. US$ jährlich zur Förderung weltweiter Entwicklung
3. Faire und
wettbewerbsneutrale Aufbringung der benötigten Mittel auch über Belastung
globaler Transaktionen
4.
Schrittweise Realisierung einer weltweiten Ökosozialen Marktwirtschaft durch
Etablierung eines besseren Ordnungsrahmens der Weltökonomie z. B. über eine
Verknüpfung etablierter
Regelwerke und vereinbarter Standards für Wirtschaft, Umwelt
und Soziales (WTO, UNEP und ILOKernstandards)
5.
Neuartige Formen basisorientierter Mittelverwendung bei gleichzeitiger
Bekämpfung von Korruption
weitere
Informationen:
www.globalmarshallplan.org
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Fairer Handel schafft
gutes Klima Eine Kampagne europäischer Weltläden
Ich bin du – sei fair zu mir

Klimawandel
Der weltweite Klimawandel ist unumstritten. Er betrifft den Norden wie den Süden
– aber in unterschiedlichem Ausmaß. Mehr als 1,1 Milliarden Menschen in
Entwicklungsländern leben an absoluter Armut. Sie leben und arbeiten bereits
jetzt schon unter schweren klimatischen Bedingungen: Naturkatastrophen wie
beispielsweise Stürme, Trockenheit oder fluten bedrohen direkt das Leben dieser
Menschen. Solche Wetterereignisse treten in Zukunft öfter und mit größerer
Intensität auf – ein Ergebnis des Klimawandels. Letztendlich sind es die Armen,
die die Folgen tragen.
Globale Gerechtigkeit und Entwicklung
Entwicklungsländer haben bisher am wenigsten zum Klimawandel beigetragen. Sie
haben den kleinsten ökologischen Fußabdruck. Aber gerade ihre Bewohner sind es,
deren Lebensraum, Ernährungssicherheit und Zugang zu Trinkwasser am meisten
bedroht sind.
Weder sie noch ihre Staaten haben die Kapazitäten angemessen zu reagieren. Eine
Ursache dafür: Das liberale Handelssystem, das es landwirtschaftlich geprägten
Ländern und vor allem Kleinbauern und -bäuerinnen unmöglich macht, sich weiter
zu entwickeln. Klimawandel wird so zu einer Frage der Gerechtigkeit zwischen
Nord und Süd.
Selbstverständlich muss z. B. der CO2-Ausstoß weltweit drastisch
reduziert werden. Entsprechend dem Verursacherprinzip muss der Norden auch
Menschen und Staaten in Entwicklungsländern dabei unterstützen, mit den Folgen
des Klimawandels fertig zu werden. Dazu gehören finanzielle Hilfen und die
Förderung klimafreundlicher Energiepolitik. Darüber hinaus braucht es mehr
Handelsgerechtigkeit.
Fairer
Handel
Der Faire Handel liefert ein gutes Beispiel: Fairer Handel steht für nachhaltige
Entwicklung und Armutsbekämpfung. Das macht ihn zu einem wichtigen Faktor im
Umweltschutz. Der Faire Handel konzentriert sich auf Kleinbauern und
benachteiligte Produzenten im Süden. Er hilft Millionen von Menschen dabei, der
Armut zu entkommen. Fairer Handel arbeitet mit langfristigen partnerschaftlichen
Beziehungen und verpflichtet sich, einen Preis zu zahlen, der ein
menschenwürdiges Leben ermöglicht. So sind seine Partner in der Lage, in
umweltschonende Produktionsweisen zu investieren. Fairer Handel bevorzugt
handwerkliche Produktion und ökologische Landwirtschaft. Dies bedeutet die
nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen und Produktionsmethoden, die weder
großes Kapital noch einen hohen Verbrauch an fossilen Brennstoffen benötigen.
Der Faire Handel setzt sich ein für ein Handelssystem, in dem Menschenrechte vor
Handelsrechte gesetzt werden Er streitet für soziale, ökonomische und
ökologische Gerechtigkeit. Fairer Handel schafft gutes Klima. Auch heute schon.
Fairer Handel schafft gutes Klima Eine Fair-Handels-Kampagne für Handels und
Umweltgerechtigkeit
Fairer Handel schafft gutes Klima macht deutlich: Es geht nicht um
Armutsbekämpfung oder Minderung
des CO²-Ausstoßes. Beide müssen ständiger integraler Teil von Klimapolitik sein,
um zu einer wahrhaftig nachhaltigen Entwicklung zu gelangen die diesem Namen
auch gerecht wird.
Im Süden, wie im Norden. „Fairer Handel schafft gutes Klima“ fordert daher einen
doppelten Klimawandel. Wir wollen Sie, liebe Kundin, lieber Kunde dazu
ermutigen, mitzuziehen. Fordern Sie
Politiker dazu auf, den fairen Handel bei seinen Anstrengungen zu unterstützen:
Damit Gerechtigkeit im Handel erreicht wird UND die negativen Folgen auf Umwelt
und Klima minimiert werden. So können Armut und globale Ungerechtigkeit
bekämpft werden.
„Fairer Handel schafft gutes Klima“ ist eine weltweite Kampagne. In Europa .In
Europa beteiligen sich über 1000 Weltläden in Österreich, Dänemark, Deutschland,
Italien, den Niederlanden, Spanien, Schweden und Großbritannien an der Kampagne,
ebenso wie die Fair-Handelsbewegungen in Ungarn und der Tschechischen Republik.
„Fairer Handel schafft gutes Klima“ wird organisiert von NEWS!, dem Netzwerk
der Europäischen Weltläden und unterstützt von IFAT Global, der Internationalen
Fair Handels Organisation.
Weltläden
Weltläden sind Fachgeschäfte für Fairen Handel. Als Pioniere der Fair
Handelsbewegung können sie auf den Beitrag von mehr als 100.000 Freiwillen
zählen. Um Fairen Handel bekannter zu machen, europaweite Kampagnen anzustoßen
und um das Wissen über Fairen Handel zu stärken, wurde NEWS! 1994 gegründet. Es
ist das Netzwerk von 13 nationalen Weltladen-Dachverbänden überall in Europa.
NEWS! repräsentiert über 2000 Weltläden. Der Weltladen-Dachverband e.V. ist das
deutsche NEWS!-Mitglied.
Schreiben
auch Sie an die Frau Bundeskanzlerin
Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,
das herrschende liberale Handelssystem ist der Hauptgrund für Armut und
Klimawandel. Eine wahrhaft nachhaltige Politik, die auf den Klimawandel
reagiert, muss demnach Armut mindern und Ungerechtigkeit im globalen Handel
verringern.
Daher fordere ich Sie auf, sich auf nationaler und europäischer Ebene für eine
kohärente Politik einzusetzen. Diese muss beinhalten:
1. Unterstützung des Fairen Handels als einem bedeutenden Instrument, um Armut
und Klimawandel zu bekämpfen.
2. Förderung der ökologischen Landwirtschaft von Kleinbauern- und bäuerinnen.
3. Änderung der Handelsregeln zugunsten benachteiligter Kleinproduzenten.
_____________
Unterschrift
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Oikocredit –
in Menschen investieren
Auf dem Weg in ein
besseres Jahrtausend
Sauberes Trinkwasser, ausreichende Ernährung, ein menschenwürdiges Leben für alle: Diese andere Welt
ist möglich. Tatsächlich aber sind viele Länder immer noch geprägt von Hunger
und Armut. Die
Vereinten Nationen setzen sich tatkräftig für eine Veränderung ein. Sie beschlossen die MillenniumEntwicklungsziele bis 2015: Hunger, Armut, Krankheiten und Analphabetismus sollen überwunden, die Umwelt geschützt und die Frauen gleichgestellt werden. Die reichen Nationen wollen eine weltweite Entwicklungspartnerschaft aufbauen und armen Ländern
eine faire Chance auf dem Weltmarkt einräumen.
Oikocredit und der Faire Handel arbeiten seit Jahrzehnten für eine gerechtere
Weltwirtschaft - ein bemerkenswerter Beitrag zur Überwindung der
Armut und für
die Millenniumsziele.
Durch Fairness aus der Armut
Mehr als eine Million Menschen in Entwicklungsgebieten profitieren heute vom Fairen Handel. Mit ihren Familien sind dies rund fünf Millionen Personen. Der Faire Handel verbessert den Absatz und die Erträge ihrer Erzeugnisse. Wer hier faire Produkte kauft,
fördert dort Umweltschutz, Bildung und Gesundheitsprojekte und damit nachhaltige Entwicklung. Ein wichtiges Zeichen gegen die Ungerechtigkeit des globalen Welthandels.
Sie helfen
direkt:: Mit dem Kauf fair gehandelter Produkte in Weltläden oder Einkaufszentren schaffen Sie für Kleinproduzentinnen einen sinnvollen Zugang zum
Weltmarkt.
Handeln Sie fair mit Ihrem Geld
Auch wenn Sie Kleidung, Teppiche, Fußbälle oder Blumen kaufen, können Sie verantwortungsvoll konsumieren. Wurden die Produkte ohne Kinderarbeit, unter menschenwürdigen Arbeits-bedingungen und umweltverträglich hergestellt?
Fragen Sie auch nach ethischen Kriterien, wenn Sie Geld investieren. Oikocredit bietet Ihnen die Möglichkeit, Geld für eine gerechtere Welt anzulegen.
In Menschen investieren
Arme Menschen haben keinen Kredit. Jedenfalls nicht bei gewöhnlichen Banken. Oikocredit dagegen gewährt Benachteiligten Zugang zu Kapital durch die Förderung von Mikrofinanz-Programmen, Genossenschaften und kleinen Unternehmen in Entwicklungsgebieten. Millionen von Menschen profitieren weltweit von diesen langfristigen Darlehen, die mithelfen,
eine Existenz aufzubauen. Ende 2006 hat Oikocredit Darlehen über 264 Mio. Euro bewilligt.
Fairer Handel und
Faire Kredite ergänzen sich gut
Weniger
Armut und eine gerechtere Weltwirtschaft: Diese
Ziele verbinden Oikocredit und den Fairen Handel.
Der Faire Handel garantiert Preise und langfristige Lieferverträge. Oikocredit bringt Kapital in Unternehmen, die damit Arbeit und Zukunft schaffen.
30
Oikocredit-Darlehen gehen zur Zeit direkt in den Fairen Handel. Als Kredite für Transport- und Lagerkapazitäten, Produktionsanlagen oder an Fair-Handels-Partner wie El Puente oder dwp in Deutschland, Gebana in der Schweiz, De Evenaar in den Niederlanden
oder Altemativa 3 in Spanien.
Entwicklung braucht Kredit
»Spenden machen müde, Kredite fördern die Eigeninitiative«,
sagt Friedensnobelpreisträger Muhammad
Yunus. Die Anerkennung als Geschäftspartner stärkt
das Selbstbewusstsein. Faire Kredite bieten mehr als
Geld. Sie schaffen Vertrauen und geben Impulse, um
das Leben zu verändern, hin zu weniger Armut, mehr
Arbeit, Bildung, medizinischer Versorgung, Renten-
und Versicherungssystemen, Wohnungsbau und
Umweltschutz.
Muhammad Yunus und Oikocredit sind langjährige
Weggefährten. Sie vergaben schon Mikrokredite,
bevor der Begriff überhaupt existierte. Die kleinen
Darlehen mit der großen Wirkung haben sich als effiziente
Entwicklungsförderung erwiesen, vor allem für Frauen.
Oikocredit vergibt rund zwei Drittel ihrer Darlehen an
Mikrofinanzinstitutionen. Diese bieten neben Krediten
auch andere Finanzdienstleistungen, Geschäftsberatung
und Fortbildung an.
Faire Kredite für Arme: Eine sichere Anlage
Arme Menschen sind zuverlässige Kreditnehmer.
Trotz Wirtschaftskrisen, Korruption und Naturkatastrophen
liegt die Rückzahlungsquote der OikocreditDarlehen
seit Jahren über 90 Prozent. Eine Quote,
von der viele Banken nur träumen können.
Die angeblich »nicht bankfähigen« Menschen beweisen,
dass sie zuverlässige und erfolgreiche Geschäftspartner
sind. Sie verdienen Vertrauen. Sie
verdienen unseren Kredit.
... mit doppeltem Gewinn
Sie
können sich als Einzelperson, Organisation
oder Gemeinde bei Oikocredit beteiligen, indem Sie Anteile ab 200 Euro erwerben. Ihre Einlage
wird treuhänderisch verwaltet und bei
Bedarf wieder zurückgezahlt.
Informationen zu Risiken, Rückzahlungen
und zur Dividende sind im Prospekt zu finden
www.oikocredit.org
Die Dividende beträgt in der Regel zwei Prozent pro
Jahr. Hinzu kommt der soziale Gewinn: Ein besseres
Leben für viele Menschen und ein Schritt auf dem
Weg zu einer gerechteren Welt.
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